I.L. Menger, J. Beckmann: Von Lichtwiese nach Dunkelstadt

Zuerst dachte ich, es sei ein Kinderbuch, schien es dann aber irgendwie doch nicht zu sein. Die Sprache ist nämlich nicht kindlich, der Witz auch nicht. Umso besser, dachte ich.

Die Story – ohne Spoiler!

‚Von Lichtwiese nach Dunkelstadt‘ beinhaltet mehrere Episoden von Abenteuern, die die Hauptfigur Dodo erlebt. Es beginnt am Rasenmäh-Tag, denn Dodo mäht für seine Omi, bei der er lebt, einmal in der Woche den Rasen. Sein Weg führt ihn aber bald zu einer verlassenen Telefonzelle zwischen Spargelfeldern, wo das eigentliche Abenteuer beginnt, als etwas aus einer Steckdose kriecht.

Die erste Episode ist dabei noch in sich schlüssig und könnte auch so für sich als nette kleine Geschichte bestehen. Aber dann geht es beinahe nahtlos über in Band 2. Ab hier wird es immer abstruser und verworrener, aber dadurch nicht unbedingt witziger. Die Abenteuer, die sich ab dann aneinanderreihen und in denen Dodo dauerhaft der Ahnungslose ist, während alle anderen immer Bescheid zu wissen scheinen, führen also an verschiedene Orte – Urwälder, Wüsten, unter Tage, in das Innere von computergestützten Würmern – und stellen Dodo und seine Freunde vor verschiedenste Aufgaben und Hindernisse. Es gibt die merkwürdigsten Lebensformen wie Waschhörnchen oder Strommännchen und die meisten davon sind irgendwie niedlich. Leider bleibt alles, obwohl es sicherlich mit viel Liebe und Phantasie erdacht und erschaffen wurde, leblos und hinterlässt mehr Fragezeichen während des Lesens als es Rätsel löst oder dem Leser wenigstens ein innerliches Staunen entlockt.

Dodos hauptsächlicher innerer Konflikt kommt leider die meiste Zeit viel zu kurz und wenn er dann mal erwähnt wird, ist der Kontext verwirrender denn je.

Am Ende gibt es dann doch eine relativ schlüssige Erklärung für all die Geschehnisse und sogar bis dahin unverständliche Episoden werden enträtselt. Dennoch wirkt der Abschluss ein wenig so, als hätten die Autoren keine Lust mehr gehabt, die Geschichte weiter auszudehnen, und erzählen lieber nur noch in codierten Rückblicken, die einerseits Raum für weitere Geschichten um Dodo und seine Freunde lassen, andererseits aber eben auch etwas konstruiert wirken.

Kritik

Leider schon in den ersten 5% gab es viele Tippfehler, die das Lesevergnügen ungemein schmälern können. Das scheint ein echtes Problem der neuen digitalen Bücher zu sein. Sie sind mit weniger Sorgfalt und Liebe produziert. Dieses Gefühl drängt sich mir jedenfalls nach 6 Monaten Kindle-Nutzung auf.

Und wieder die lieben Wiederholungen. Das muss doch spätestens im Lektorat auffallen! Der Ich-Erzähler Dodo fasst seine Gedanken für meinen Geschmack ein bisschen zu häufig zusammen und kommt sich auch etwas zu häufig besonders gewitzt vor.

Die ganze Hauptfigur Dodo ist ohnehin nicht gerade ein Sympathieträger. Außerdem ist er so wenig konturiert, dass es dem Leser schwer fällt, ihn als das zu identifizieren, was er sein soll. Er wirkt wie ein Kind, Hinweise legen aber nahe, dass er locker über 25 Jahre alt ist. Dafür verhält er sich aber viel zu kindisch. Es bleibt verwirrend, da man nicht weiß, woran man ist. Als Leser fällt es daher sehr schwer, sich mit Dodo zu identifizieren. Vielleicht bleibt auch dadurch die Distanz zu den Geschehnissen erhalten – man kann sich einfach nicht so richtig hineinfühlen.

Das fand ich gut

Schön ist der Link zu anderen Büchern der Autoren. Wenig subtil – dafür aber unerwartet – spielen sie auf Figuren aus der Darkside-Park-Reihe an. Wenn man die zuvor gelesen hat, macht dieser Wink tatsächlich Spaß.

Die einzige relativ glaubhafte Figur – der kleine Strom-Tom – gefiel mir aufgrund seines Witzes. Denn er ist, der die meisten davon macht oder zu witzigen Situationen beiträgt. Ohne ihn wäre Dodo wie Frodo ohne Sam.

Fazit

Von mir gibt es leider nur 2 Sterne. Zwar war ich positiv überrascht, dass es sich nicht nur um eine 50-Seiten-Kindergeschichte handelt, dennoch wüsste ich nicht, wem ich diese Geschichtensammlung ans Herz legen könnte. Fans phantastischer Geschichten könnten Gefallen daran finden, aber obwohl ich selber gerne Phantastisches lese, konnte ich mit ‚Von Lichtwiese nach Dunkelstadt‘ nicht warm werden. Die meiste Zeit wollte ich schnell zu einem erlösenden Ende kommen. Da hat es mich dann eher negativ überrascht, dass das Buch doch mit fast 300 Seiten aufwarten kann. Also ich kann es nicht so richtig empfehlen – leider, denn schließlich war ich von anderen Arbeiten dieser Autoren wirklich eingenommen (siehe Darkside Park http://bit.ly/OW64Xi ).

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