Anette Strohmeyer: Ondragon – Totenernte

Tote, die wieder auferstehen, eine Zombiejagd, Voodoo und der Auftrag, drei verschollene Mitarbeiter der Firma eines Freundes aufzuspüren: Totenernte verbindet gekonnt Reales und Mystisches, klärt auf, informiert und erschüttert mit Ereignissen, die so tatsächlich auftreten könnten. Allein die Stichworte Gen-Mais und Versuchslabor sagen mehr über die Menschen in diesem Buch, als einem lieb sein kann.

Eigentlich stehe ich ja nicht auf Zombie-Bücher (-Filme/-Serien/-Witze etc.). Aber der erste Fall des Herrn Ondragon (http://ow.ly/eRodq) hat mich vor einiger Zeit so sehr überzeugt, dass ich mit Freude den zweiten Teil der Mystery-Reihe erwartet habe. Und ich habe mit Sicherheit mehr und schneller gelesen als mein Studium es zulassen sollte. Nun wollen wir sehen, ob er den hohen Erwartungen standhalten kann.

Anfangs fiel es mir ehrlich gesagt ein wenig schwer, in einen Lesefluss zu kommen. Der Prolog wirkte sprachlich ganz weit weg von Ondragon, eher kitschig und nach ausgenudeltem Klischee und die vielen französischen Wörter und anfangs mit Absicht fehlenden Erläuterungen machten es mir nicht leicht.

Außerdem war ich sehr enttäuscht von der plakativen, langweiligen Zombie-Darstellung, die sich aber hinterher als tolles Stilmittel entpuppen sollte. So fand ich es auch erst schade, dass man anscheinend schon so früh wusste, dass es um Zombies geht, während im ersten Teil der Mystery-Reihe die Identität des Bösen eine ganze Weile geheim gehalten wurde, was die Spannung erhöht hat. So fühlt man sich nicht wirklich wie ein im Dunklen Tappender – das Ganze hat für den Leser etwas vom Columbo-Prinzip, das ja durchaus auch seinen Reiz hat. Man muss dazu aber auch noch sagen, dass der Leser nur denkt, zu wissen, worum es geht, denn je mehr geforscht, entdeckt und aufgeklärt wird, desto unglaublichere Dinge kommen zu Tage, die aber andererseits auch besser zu Ondragons Welt passen und den Leser eher wachrütteln und erschüttern als ein schnöder Zombie-Roman es könnte. Mit einigen klassischen Mythen wird erst mal aufgeräumt, was dem Genre wirklich gut tut!

Die ersten Toten tauchen früh auf und damit wird es auch früh spannend  – und steigert sich sogar noch! Spätestens ab 65% war mein Körper dauerhaft auf Hochspannung.

Anette Strohmeyer schafft es, dass man sich ekelt und es in den Fingerspitzen kribbelt, wenn splitternde Fingernägel über Holztüren kratzen und Unterkiefer abfallen, und man trotzdem weiterliest. Außerdem hat sie für ihren Roman wieder einmal wirklich tolle Recherchearbeit geleistet! Geschichtliche Ereignisse werden gekonnt eingebaut, Louisiana wirkt zum Greifen nah, die ganze Gegend und vor allem New Orleans sind super beschrieben, und man lernt eine ganze Menge über Voodoo und die eigentliche Geschichte der Zombies – weit ab von Hollywood und doch immer mit einem ironischen Beigeschmack dank der skeptischen und damit so realistischen Hauptfigur Ondragon, der mit seinen Zweifeln Frauen in die Flucht schlägt und den Leser schmunzeln lässt.  Eben diese Frau, aber auch die anderen neu eingeführten Nebencharaktere sind sorgfältig durchdacht, sodass sie nicht flach, langweilig oder durchschaubar werden, obwohl sie vielleicht nur für diesen einen Roman erdacht wurden. Das nenne ich ordentliche Autoren-Arbeit.

So schön der Schreibstil, der wieder einmal nicht vermuten lässt, dass eine Frau dahinter steckt, zu Ondragon passt, dem selbstverliebten, psychotischen Macho, der ab und zu eine pechvogelähnliche Affinität zu Fettnäpfchen aufweist, so wenig passt er leider zu dem kindlichen Charakter, der einen zweiten Strang der Geschichte bestimmt. Dadurch entsteht ein falscher Eindruck von diesem Kind, das älter wirkt und erwachsener handelt. Gelungen ist aber die Abwechslung der zwei Handlungsstränge, die jeden Strang für sich genommen spannender macht. Ich hätte mir von dem einen Strang sogar noch ein paar Kapitel mehr gewünscht.

Außerdem finde ich es toll, dass Strohmeyer dem Leser nicht alles vorkaut, sondern ihn mitdenken lässt, indem er die gleichen Informationen lesen darf, die Ondragon liest, wie z.B. Zeitungsartikel und Rechercheergebnisse. So wird die Info nicht durch den Charakter gefiltert, sondern erlaubt ein eigenes Zusammensetzen des Puzzles.

Störend sind die Apple-Schleichwerbung, ein bisschen zu viel „Scheiße“ und das gewollt Amerikanische. Die Erwähnung von Inch und Yard und Fahrenheit wirkt lächerlich gewollt – leider immer ein Problem von deutschen Autoren, die ihre Story außerhalb von Deutschland ansiedeln.

Zum Schluss wird erwähnt, dass Ondragon eigentlich keine schmutzigen Geschäfte mag. Ich hoffe also auf einen dritten Band voller Intrigen und Finesse. Und genauso viel Spannung.

Das Ende an sich fand ich ein bisschen unnötig übertrieben, aber wenigstens wurden alle Fragen geklärt. Sowieso war die Aufklärung sehr gut – und realistischer und vollständiger als in Teil 1 (für diejenigen, die damals deswegen gemeckert haben).

5 Sterne für tolle, durchdachte, informative und überraschende Unterhaltung!

Hier geht’s zum Buch: http://ow.ly/eRotz

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