Die Sache mit der Authentizität

Das ist mir wohl zum ersten Mal passiert: Ich habe einen Beitrag überarbeitet, weil mich jemand gebeten hat, das Negative über ihn nicht weiter öffentlich zu machen.  Ich habe es gemacht und ich bereue es zutiefst! Denn:

Wo bleibt da die Authentizität?

Ich bin nicht gedankenlos. Ich bin aber auch nicht überkritisch. Ich lebe gerne. Ich genieße gerne. Obwohl ich weiß, dass Pizza Prosciutto und angebrannte Pommes Krebs erregen können. Ich verherrliche nicht. Ich überrede nicht.  Es steht jedem frei, sich seine eigene Meinung zu bilden. Ich mache nur Vorschläge.  Und ich bin ehrlich. Und das ist das Wichtigste.

Wenn ich etwas scheiße finde, dann ist das so. Ich versuche nicht, mir einzureden, dass es sich im Grunde um die superheißeste Innovation oder die abstrakteste Kunst oder die bahnbrechendste Idee handelt. Wenn mir etwas nicht gefällt, dann sage ich das auch. Dabei gebe ich mir die allergrößte Mühe, nicht zu schreiben „Das ist scheiße“, sondern meine Meinung so wenig verletzend wie möglich und begründet darzustellen. Ich decke falsche Versprechen auf und spreche Empfehlungen aus.

Die Krux mit dem Internet ist doch, dass jeder seine Meinung frei äußern kann. Und das finden alle toll bis plötzlich jemand etwas Negatives sagt. Dann heißt es „Verbrennt die Ketzerin!“. Dank der großen Freiheit, die uns das Internet bietet, kann es nun mal passieren, dass unterschiedliche Ansichten aufeinanderprallen. Jeder hat die Wahl, zu widersprechen.

Und ich nehme andere Meinungen durchaus ernst. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, sollte ich falsch liegen. Ich höre mir auch gerne konstruktive Kritik an. Nur unter der Gürtellinie wird es dann doch ein wenig ungemütlich.  Ich bin nicht unfehlbar. Ich bin ein Mensch wie jeder andere, ich habe eine Meinung und mein Blog ist eine Plattform, um diese mit euch zu teilen.  Meinung ist subjektiv. Und da sind wir wieder bei dem Punkt, dass ich Sachen auch mal doof finden kann.

Ich möchte niemanden mit meiner Meinung angreifen. Auch nicht verletzen. Aber die Wahrheit kann weh tun. Jeder hat diese Erfahrung schon gemacht. Wenn jemand eine Dienstleistung oder ein Produkt anbietet, muss er oder sie damit rechnen, dass es Menschen gibt, denen das nicht gefällt und die das auch kundtun. Dann kann er oder sie nicht einfach sagen „Lieber Blogger, du bist doof, bitte lösch das!“.  Das ist Zensur.

Ich bin vernünftiger Argumentation aufgeschlossen. Allerdings ist es in meinen Augen lächerlich, negative Presse über sich mit allen Mitteln (oder aggressiven Freunden, die unangebrachte Kommentare schreiben) zu verhindern versuchen. So ist das nun mal, wenn man mit seinem Produkt oder seiner Dienstleistung an die Öffentlichkeit geht. Verbietet ihr auch schlechte amazon-Bewertungen? Wo leben wir denn bitte, dass man „kleine Hobby-Blogger“ einfach zur Sau machen und ihnen Unwahrheiten unterstellen kann? Es ist ein Unterschied, ob man ein Produkt bewertet oder einen Menschen (den man nicht mal kennt).

Und es ist ein Unterschied, ob ich geschäftsschädigenden und verleumderischen Rufmord begehe, oder ob ich hier einfach nur meine begründete Meinung zu einem Produkt äußere. Eine Meinung ist keine Unterstellung von Tatsachen, sondern eine reine Bekundung meiner ganz subjektiven Empfindungen.

Ich freue mich über die Resonanz. Das zeigt mir, dass meine Beiträge gelesen werden und dass sie etwas in den Menschen bewegen.  Ich finde es schade, dass manche Menschen nicht in der Lage sind, sich qualifiziert und angemessen zu äußern.

Ich betreibe meinen Blog gerne und mit viel Liebe und Mühe. Ich kaufe die allermeisten der hier bewerteten Produkte selber ein. Ich verdiene kein Geld mit meinen Beiträgen oder Werbung. Ich bettel niemanden an, mir Produkte zum Testen zu überlassen, um mir daraus eigene Vorteile zu versprechen. Ich schmücke mich nicht mit geschenkten Testprodukten. Ja, ich freue mich, wenn ein Unternehmen an mich herantritt und mich um meine ehrliche Meinung bittet. Gerne. Aber ich sehe es nicht ein, meine eigene und ehrliche Meinung einschränken zu lassen. Und ich finde es peinlich, wenn ein Hersteller nicht über negativer Kritik stehen kann, die er ggf. sogar zur Verbesserung der Produkte nutzen könnte.

Ich werde den überarbeiteten Artikel so stehen lassen. Ich werde die Zensur in diesem einen Fall nicht rückgängig machen, da ich zu meinem Wort stehe. Es wird aber keinen zweiten solchen Fall hier geben. Bevor ich meine Artikel veröffentliche, denke ich sehr wohl darüber nach, ob ich ihn so stehen lassen kann. Ich schreibe nicht frei von der Leber weg, sondern überlegt. Und ich lasse mir keine Unprofessionalität vorwerfen für ein Hobby(!), das zeit- und kostenintensiv sein kann und das offensichtlich bei vielen Menschen Anklang findet.  Mein Anspruch war es nie, professionell zu sein. Auch nicht diplomatisch. Ich möchte ehrlich sein. Ich möchte, dass meine Bewertungen meinen Lesern Entscheidungen erleichtern und dass meine Artikel inspirieren oder anregen oder einfach nur ein Lächeln zaubern.

Meine lieben Leser, ich danke euch für euer kontinuierliches Feedback! Ich wünsche mir sehr, dass es auf diesem Niveau bleibt und wir uns weiterhin qualitativ wertvoll unterhalten und austauschen können.

Liebe bloggende Freunde: Kennt ihr ähnliche Situationen? Wie geht ihr damit um? Wie steht ihr zu dem Thema Authentizität?

Liebe Hersteller: Bitte bedenken Sie, dass es immer Produkte geben wird, die bei einzelnen Menschen nicht die erhoffte Reaktion auslösen und evtl. abgestoßen werden. Das ist i.d.R. das Resultat negativer Erfahrungen mit diesem Produkt. Eine Äußerung einer entsprechenden, subjektiven (!), negativen Meinung ist keine Verunglimpfung Ihres Produktes, Ihrer Marke oder Ihrer Mitarbeiter.banner

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17 Antworten zu Die Sache mit der Authentizität

  1. giftmischerin86 schreibt:

    Hey,
    das hast du wirklich super geschrieben! Da denke ich genauso wie du, wozu soll man Produkte testen wenn nicht auch mal eine negative Meinung dabei rauskommen darf? Unglaublich. Genauso will ich auch ehrliche Kommentare und will auch ehrliche Kommentare geben dürfen, das ist ja nix persönliches, nur meine Meinung aber ich glaube das mögen viele auch nicht :-/ mach weiter so, bleib ehrlich, bleib du! Und schreib weiterhin so tolle und informative Blogs :-)
    Liebe Grüße von Claudi

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    • Julia schreibt:

      Hallo liebe Claudi,
      danke für deinen Zuspruch! Es hat mich auch ein paar Tage gekostet, den Text neutral und nicht vollgeladen mit negativen Emotionen zu formulieren. Aber ein paar Nächte drüber schlafen hat ja bisher immer bei sowas geholfen ;) Und du hast völlig Recht, wenn du sagst, dass auch ehrliche Kommentare – egal, ob positiv oder negativ – wichtig sind! Andererseits hat man hier an seinem sterilen Dashboard doch gar nicht die Chance, sich zu verbessern und weiterentwickeln. ;)
      Viele liebe Grüße
      Julia

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      • giftmischerin86 schreibt:

        Wie meinst du das mit dem verbessern und weiterentwickeln?
        Also ich werd mir hier nicht den Mund verbieten weil ich glaube das macht mich auch bissle aus, das ich nicht auf den Mund gefallen bin und schreibe was ich denke. Da zählt doch jedes positive Wort noch mehr!?
        Ich finde du hast schon ganz klar gesagt was dir gegen den Strich geht und das ohne Blümchen und heissen Brei und so und das gefällt mir :-)

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      • Julia schreibt:

        Hey, ich meine, dass ich, wenn ich nur für mich hier ein bisschen schreibseln würde, ohne darauf zu achten, was an Feedback reinkommt, ich mich nicht verbessern könnte. Oder noch schlimmer: Ich würde einfach nur die netten Kommentare veröffentlichen und die gemeinen weg-ignorieren xD Nein, sowas kommt mir nicht in die Tüte – wir sind uns da total einig ;) Und es stimmt: Positives Feedback von jemandem, der sich auch mal negativ äußern kann, ist noch ein bisschen mehr wert. Aber natürlich freue ich mich immer über nettes Feedback ;) (wer nicht?)

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      • giftmischerin86 schreibt:

        ich freu mich auch über nettes Feedback :-) …is ja klar…
        ach so hast du das gemeint, ja, da hast du recht, wenn man nur für sich selbst schreiben würde könnt man auch ne Word datei machen :-)

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      • Julia schreibt:

        hahahaha stimmt!

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      • giftmischerin86 schreibt:

        woher bekommst du eigentlich die Testprodukte? Ich würde auch gerne mal was testen, aber wenn ich mich mal wo anmelde, bekomm ich nie was :-/

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      • Julia schreibt:

        Manche bekomme ich von diesen bekannten WOM-Portalen wie trnd, Lisa Freundeskreis etc., aber da muss man wirklich Glück haben. Da bewerben sich immer soooo viele Leute und ich habe mich schon oft geärgert, dass ich nicht auch ausgelost/ausgewählt etc. wurde. Bei ein oder zwei facebook-Aktionen hatte ich auch schon Glück und habe entweder gewonnen oder mit den Herstellern geredet, ob eine Bewertung auf Lila Lummerland für die interessant wäre. (Das war z.B. bei dub dub und DIE Limo der Fall.) Da das natürlich kostenlose Werbung für die ist, haben die auch ganz schnell gesagt „Klar, wir schicken dir was zu“. So sind im Übrigen viele Hersteller. Viele arbeiten auch bewusst mit Bloggern zusammen (weiß ich zufällig aus nem Praktikum bei nem Online-Supermarkt). Da haben i.d.R. beide Seiten was von und bisher habe ich damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Das hat immer Spaß gemacht und zu manchen der Firmen habe ich immer noch sporadischen Kontakt.

        Vieles kaufe ich auch tatsächlich selbst – meistens aus Neugier. Das gilt insbesondere für Food. Wahrscheinlich Berufskrankheit ;)
        Die dm-Boxen waren da eine tolle Quelle, weil ich zwar dafür was bezahlt habe, aber lange nicht so viel wie für jedes einzelne Produkt, wenn ich die alle für mich gekauft hätte. Außerdem verschenkt dm ja manchmal auch was an Blogger – so wie letztens mit dem p2-Päckchen. Die schicken das natürlich auch mit Hintergedanken raus, aber die erwarten nicht, dass man alles toll findet ;) Aber die halten sich die Blogger auf jeden Fall mit vielen cleveren Aktionen warm ;)

        Und besonders schön ist es natürlich, wenn ein Hersteller auf mich zukommt und nachfragt, ob ich über ein Produkt von ihm schreiben würde und ob er mir was zuschicken darf. (Das waren z.B. die Achselpads von L’axelle und ein Eyeliner, den ich noch diesen Monat hier vorstellen werde.) Dann gucke ich mir das vorher an und wenn ich denke, dass das Produkt zum Blog passt, sage ich zu – immer unter der Prämisse, dass ich nicht positiver bewerte, nur weil ich das Produkt kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen habe. Bisher waren die Hersteller da auch immer wirklich sehr entgegenkommend und verständnisvoll. Einmal bekam ich sogar eine Mail, in der es hieß, sie würden meine ehrlichen Berichte sehr schätzen und daher gerne ein ehrliches Feedback zu ihrem Produkt bekommen. das hat mich sehr gefreut! Man muss nur aufpassen, dass man vor lauter Bauchpinselei nicht etwas zusagt, was man vielleicht eigentlich doch gar nicht möchte und sich im Nachhein ärgert, den Test angenommen zu haben.

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      • giftmischerin86 schreibt:

        oh, danke für die ausführliche Mail. Hm… muss ich mal schauen. Von DM hab ich auch mal ein Päckchen bekommen mit Tiernahrung, das fand ich supertoll, kommt auch noch ein Blog dazu sobald das alles mal verspeist wurde :-)

        Und angeschrieben hab ich auch mal welche und zwar wollte ich einen Vergleichstest von Sauren Gurken machen *lach* weil ich liiieeebe saure Gurken und mich ärgerts das die immer so sehr süß schmecken, die dachten wohl ich verarsch die, leider leider, über Päckle voller Saurer Gurken hät ich mich sehr gefreut :-)

        Naja, so ganz groß aufziehen will ichs ja auch nicht aber so ab und zu was zum testen wär schon toll, die DM Lieblinge hab ich ja bisher auch noch nie gewonnen :-(

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      • Julia schreibt:

        Die dm Lieblinge gibt es übrigens ab heute wieder! Ich drück dir die Daumen!

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      • giftmischerin86 schreibt:

        ja, hab mich schon angemeldet :-) danke :-)

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  2. missbonnebonne schreibt:

    Schön geschrieben… aber echt schade, dass es überhaupt erst dazu kommen musste… traurig für das Unternehmen & in den heutigen Social Media Zeiten eigentlich schon leichtsinnig…

    Ein Anstoß zum Nachdenken, Dein Artikel! Dankeschön!!!!

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    • Julia schreibt:

      Danke, dass du das so siehst, also dass es eine Anregung ist. Und du hast auf jeden Fall Recht damit, dass es von dem Hersteller nicht besonders schlau war. Aber wie gesagt, ich werde den Namen hier nicht nennen. Diejenigen wissen schon, dass sie gemeint sind, sollten sie das hier lesen. Und aus euren Kommentaren und eurer Zustimmung werden die schon herauslesen können, dass sie nicht im Recht waren!

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  3. hubilicious schreibt:

    Liebe Julia,

    ich finde das sehr gut, was Du hier geschrieben hast (sowohl formuliert als auch inhaltlich). Authentizität ist das A und O. Und dies ist Dein Blog und somit Deine Meinung.

    Wer kommerziell Dinge herstellt und dann nicht mit Kritik und ehrlicher Meinung umgehen kann – schade für das betreffende Unternehmen oder die betreffende Person. Klar, Kritik mag niemand gerne (ich steh da ganz vorne in der Reihe), aber
    a) hast Du Recht: sie kann helfen.
    b) würde ich ja zum Beispiel einem MaFo-Unternehmen ihre Bezahlung ja auch nicht vorenthalten, nur weil ich die Ergebnisse nicht nach meinem Gusto finde. Das ist halt Kundenfeedback – das, wonach sich eigentlich alle die Finger lecken (sollten). Ganz verrückte Unternehmen lassen ja sogar per Co-Creation ihre Kunden mitentwickeln, damit das Produkt auch im Markt Bestand hat (irre, was?! :-) ).

    Wenn ich das nicht lesen möchte, dann sollte ich wegschauen. Oder um die Möglichkeit bitten, vielleicht eine Reaktion seitens des Unternehmens zu veröffentlichen. Aber nicht um Löschung. Denn das Unternehmen nimmt sein Produkt ja auch nicht vom Markt…

    Also: schön weiter so!

    Liebe Grüße!

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    • Julia schreibt:

      Hallo liebe Meike!

      Wie Recht du hast! Der Vergleich mit dem MaFo-Unternehmen ist echt gut, so kann man das vielleicht in Unternehmenssprache übersetzen? Gefällt mir!

      Eine vernünftige Reaktion hier in den Kommentaren von seiten des Herstellers war ausdrücklich möglich. Leider ging ein Großteil der Kommentare, die offensichtlich von Bekannten oder „Likern“ des Herstellers kamen, in eine gemeine, persönliche, unqualifizierte Richtung. Vom Hersteller selbst gab es eine relativ vernünftig argumentierte E-Mail mit der Bitte um Löschung. Bitte um Gegendarstellung wäre wohl besser gewesen, danach hätte er aber auch gar nicht fragen müssen. Jetzt ist die Sache eh gelaufen. Für die Zukunft kenne ich aber meine Rechte und meinen Standpunkt, sodass ich mich hoffentlich nie wieder so sehr ärgern muss.

      LG zurück ;)

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  4. kaninchenimgelee schreibt:

    Sehr gut geschrieben :)
    So und nicht anders sollte es auch sein, sowas habe ich persönlich noch nicht erlebt, zum glück!

    Liebe Grüße

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