[short stories] Poesiealbum.

„Ein Sommer kann die Welt bedeuten. Ein Sommer ist manchmal alles, was man braucht. Und manchmal reichen sogar ein Wochenende und ein Zelt an einem Fluss. Und wir kamen uns so erwachsen vor. Das Leben war ein Abenteuer. Und wir uns so nah. Und tanzen und schwitzen und rennen und singen und niemals aufhören.

„Lang lebe Bernadonien“ war unser Schlachtruf und Bernadonien war in unseren Köpfen. Wir waren die fünf Freunde, sogar der Hund war dabei. Wobei wir zu sechst waren, wenn man den Hund mitzählt. Geschichten erfinden und gegen unsichtbare Feinde bestehen und friedlich einschlafen, obwohl das Gras nass und das Zelt kalt ist. Unsere Taschen voll mit Ideen und Collegeblöcken, mit Bonbonpapier und leeren Kugelschreiberminen. Und vertrauen und treiben lassen und den Regen riechen und Romane ersinnen und mittendrin sein.

Und Klick und Blitzlicht. Inspiriert, beschützt, beschenkt. Große Träume, große Pläne, der Horizont war nie eine Grenze.

Wir schrieben alles auf. Ich war das Mädchen mit dem Fotoapparat. Ich hielt alles fest. Hielt euch fest. Ihr wart unzähmbar.

Und Klick und Blitzlicht. Foto im Kasten. Leute kommen, Leute gehen. Am Ende blieben nur wir zwei.

Nächte durchmachen und beieinander wohnen und alles teilen und genau wissen, was der andere braucht. Uns gegenseitig aus unseren Tagebüchern vorlesen.

Und Klick und Blitzlicht. Und noch ein Foto machen. Ich habe es eingerahmt.

Euch zwei kann niemand trennen, haben sie in der Uni gesagt, und wir haben ihnen geglaubt. Haben uns unsere Hochzeiten vorgestellt und wie wir Patentante werden. Zwei gegen die Welt. Die Welt war so groß.

Und wir lachten. Und wir weinten. Und wir stützten uns und hielten uns aneinander fest. Unsere Zeit war wertvoll. Und ich habe sie genossen und geliebt. Und wir haben uns gebraucht. Aber wir hätten aufhören sollen, es als am schönsten war. Man bleibt ja auch nicht bis zuletzt bei einer Party.

Und ich schreibe dir heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Salzig wie das Popcorn, das wir damals im Urlaub gegessen haben – aus Versehen. Und Klick und Blitzlicht. Ein letztes Foto machen. Denn eigentlich mochten wir nur süßes Popcorn. Glaubten wir zumindest.
Wir glaubten auch an „Für immer“.“ *

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Das Short Story Thema im Februar, das Bine und Andrea sich überlegt haben, lautet Freundschaft. Die beiden haben sich für 2014 vorgenommen, jeden Monat ein Thema zu veröffentlichen, zu dem dann jeder, der mitmachen möchte, seine Gedanken niederschreiben kann. Ich habe dies zum Anlass genommen, ein lang vernachlässigtes Hobby, das kreative Schreiben, zu reaktivieren. Jetzt schreibe ich jeden Monat einen kleinen Text und bin sehr auf euer Feedback gespannt!

Unterschrift1

*dedicated to: E., A., M. + G. (plus Hund), J.N., J.S.

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Mehr [short stories]:
Januar: Roter Schlüpfer
Juni: Limettenlächeln
August: Schön

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8 Antworten zu [short stories] Poesiealbum.

  1. Anni schreibt:

    ich hatte so viel Spaß beim lesen deiner Kurzgeschichte und freu mich so sehr für dich, dass du das schreiben wieder für dich entdeckt hast. ;) mach weiter so! :)

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  2. Schwesterchen schreibt:

    Wunderbar!

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  3. Schöne Worte, schöne Bilder, die in meinem Kopf entstehen. Auch wenn die Geschichte leider traurig endet… Liebe Grüße,
    Frauke

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    • Julia schreibt:

      Hallo Frauke,
      danke, dass in deinem Kopf Bilder entstehen, höre ich natürlich gern, schließlich ist das ein Ziel vom Geschichten schreiben ;)
      So richtig traurig finde ich das Ende gar nicht. Es ist schließlich das, was oft mit Freundschaften passiert. In den anderen Texten zu der Aktion habe ich das auch öfter gelesen als rein rosa-rote Texte. Das hat mich gar nicht so sehr verwundert, da ja wohl jeder schon mal die Erfahrung gemacht hat, wie es ist, alte Freunde aus den Augen zu verlieren.
      Hast du auch an der Aktion teilgenommen?
      LG
      Julia

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