[Freitagsrezi] Ondragon ermittelt wieder!

Nachdem ich Teil 1 und 2 der Mystery-Krimis rund um den Problemlöser Mr. Ondragon mit viel Vergnügen gelesen habe, freute ich mich sehr über die Anfrage der Autorin Anette Strohmeyer, ob ich Interesse hätte, den dritten Band „Ondragon: Nullpunkt“ auch zu lesen und zu rezensieren!

Ondragon auf der Jagd nach geheimer Nazi-Technologie – das versprach erneut ein gut recherchiertes und spannendes Abenteuer.

Wie auch schon in den vorherigen Büchern gibt es zwei Handlungsstränge, die anfänglich gefühlt wenig miteinander zu tun haben, dann aber immer mehr auf die gleiche Erkenntnis hinsteuern. Die Haupthandlung zeigt Ondragon, der vom deutschen Geheimdienst beauftragt wird, eine geheime Mission zu erledigen. Diese verschlägt ihn nach Südamerika sowie nach Afrika. Der zweite Handlungsstrang spielt im Jahre 1899 und zeigt einen Wissenschaftler bei der Arbeit.

Die ersten 25% geht alles sehr glatt, die Handlung ist quasi linear, zu einfach, fast langweilig. Und man fragt sich, was da noch kommen soll. Danach nimmt die Story dann endlich an Fahrt auf, durch einen gut vorbereiteten Twist, der dann früher kommt, als erwartet.

Der zweite Handlungsstrang ist in regelmäßigen Abständen eine willkommene und angenehme Unterbrechung der Hauptstory, denn so kann die Autorin die Spannung recht gut aufrecht erhalten. Dennoch erleidet der Hauptstrang einen argen Knick im Spannungsbogen, als ein neuer Schauplatz und neue, irgendwie unnötige Figuren eingeführt werden. Das hat mein Lesevergnügen zur Hälfte des Buches hin leider ein wenig geschmälert.

Dafür wird die zweite Handlung, die in der Vergangenheit spielt, zunehmend interessanter und sogar spannender als der Hauptstrang. In dieser Nebenhandlung wird eine reale, historische Figur zum Leben erweckt. Prinzipiell mag ich es nicht, wenn solchen Figuren Worte in den Mund gelegt werden. Das ist eine der wenigen Arten der Fiktion, mit der ich mich schwer tue. Noch dazu, wenn ich, wie in diesem Fall, zu wenig über die Person weiß, um filtern zu können, was der Realität entspricht und was nicht. Nichtsdestotrotz schafft Anette Strohmeyer es, dieser historischen Figur Leben und Charakter einzuhauchen. Darin ist sie wirklich gut. Und so fand ich die Figur anfangs zwar etwas gruselig, nach ca. einem Drittel aber gefiel sie mir immer besser.

Die Sprache, die Anette Strohmeyer wählt, nicht nur, wenn sie die Figuren sprechen lässt, sondern auch, wenn sie aus ihrer Sichtweise erzählt, geben den Protagonisten Persönlichkeit. Sie werden plastisch und greifbar. Wie ich bereits in einer der vorherigen Rezensionen angemerkt hatte, gefällt mir das an ihrem Schreibstil besonders gut.

Schön sind auch die Hinweise auf Geschehnisse aus Teil 1 und 2 sowie auf aktuelle Begebenheiten des Weltgeschehens. Lesen und verstehen kann man „Ondragon: Nullpunkt“ auch, ohne die ersten beiden Bände gelesen zu haben.

Bemängeln muss ich die zunehmende Anzahl an Tipp- und Korrekturfehlern ab Kapitel 11. Bis dahin war ich beeindruckt von der Fehlerfreiheit, die für e-books leider nicht selbstverständlich ist. Außerdem wirken manche Witze sehr gestelzt und es hätte ihnen durchaus besser gestanden, wenn sie nicht durch einen Folgesatz erklärt worden wären. Denn es handelt sich bei den Witzen um Anspielungen auf andere Geschichten, die jeder halbwegs belesene Mensch sofort durchschaut und keiner Erklärung bedarf. Außerdem finde ich es schade, dass von einer deutschen Autorin einige deutsche Klischees bedient werden. Das hätte, gerade in einem Buch, in dem die Nazis erwähnt werden, vielleicht nicht sein müssen. Andererseits kann man es auch als Parodie interpretieren.

Alles in allem finde ich, ist es von den drei bisher erschienenen Ondragon-Romanen der schwächste. Die Entwicklungen zum Ende hin versprechen aber weitere spannende Abenteuer, darauf freue ich mich schon.

Das Buch endet mit einem gelungenen Showdown mit einer guten Erklärung für den Verbleib der gejagten Technologie. Und auch der Ausgang der Nebenhandlung ist schön rund. Das grandiose Ende des Epilogs möchte ich dabei besonders hervorheben!

Dreieinhalb Sterne.Unterschrift1

Dieser Beitrag wurde unter Books, Freitagsrezi abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s