[Freitagsrezi] Markus Zusak: Die Bücherdiebin

„Eine Definition, die in keinem Wörterbuch steht: Nicht alleinlassen: ein Beweis des Vertrauens und der Liebe, oft empfunden von Kindern.“

Ich hatte Tränen in den Augen, und das bei nur 6% und trotz so viel intelligentem Schmunzeln.

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Die Bücherdiebin schildert die Geschichte eines deutschen Waisenmädchens während des zweiten Weltkriegs. Erzählt wird die Geschichte allerdings nicht aus der Sicht einer der Personen, die an der Handlung direkt beteiligt sind. Der Erzähler ist der Tod und das allein ist schon ein grandioser Twist zu Beginn des Buches.

Schon bei der Eröffnung war ich entzückt und verliebt. Der Schreibstil tat dann sein Übriges.

Der Autor versteht es, mit Sprache umzugehen und zeichnet wunderschöne, anschauliche Bilder: „Das Flugzeug hustete noch. Rauch drang aus seiner Lunge.“
Die herrlich bildreiche Sprache passt hervorragend zu den anfangs noch sehr kindlichen Charakteren.

Das Buch ist in Abschnitte gegliedert. Jeder Abschnitt trägt den Namen eines Buches. Das Thema der Bücherdiebin ist unglaublich gekonnt umgesetzt – nicht nur inhaltlich, sondern auch durch solche Feinheiten wie die Überschriften.

Immer wieder greift der Erzähler vor und macht Andeutungen auf das, was in der Zukunft noch passieren wird. Das macht Lust auf mehr und verdirbt keineswegs die Spannung. Man erwartet ohnehin nichts Gutes, da die gesamte Geschichte überschattet wird von den Geschehnissen des Krieges.

In der ersten Hälfte bewahrt sich das Buch eine humorvolle Leichtigkeit, die die Zweiter-Weltkrieg-Thematik und die düsteren Vorankündigungen erträglich und verdaulich machen. Ab der zweiten Hälfte wird es dann sehr bedrückend und zum Schluss so traurig, dass ich die letzten 10% nur noch geweint habe. Die wunderbaren Bilder, die der Autor aus Worten formt, schmerzen zum Schluss noch mehr. Alles geht einem so nah, weil man es förmlich sehen kann. Ich war erschüttert und gerührt. Wenn ein Buch das schafft, einen so zu berühren, muss es ein gutes Buch sein!

Habt ihr „Die Bücherdiebin“ auch gelesen? Wie fandet ihr das Buch? Und habt ihr vielleicht auch den Film gesehen? Lohnt der sich?

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5 Antworten zu [Freitagsrezi] Markus Zusak: Die Bücherdiebin

  1. Laura schreibt:

    Hey Julia,
    ich bin grade auch krank Zuhause und lese das Buch. Zuerst haben mir der ungewöhnliche Schreibstil und die Perspektive gar nicht gefallen – sonst lese ich eher die einfache Kost, die man einfach so weglesen kann…aber jetzt bin ich mitten in der Geschichte und gespannt auf jede Seite. Ich glaube gerade der Schreibstil unterscheidet das Buch von den vielen anderen Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg. Bin mal gespannt wie das Ende mir gefällt.
    PS: Deinen Blog lese ich jetzt schon seit ein paar Monaten sehr gerne ab und zu. Daumen hoch! :) Bin übrigens eine Freundin von Caro ;)

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    • Julia schreibt:

      Hallo liebe Laura,
      dann wünsche ich dir erst mal gute Besserung!
      Du hast Recht, der Schreibstil ist auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal und hat mich so sehr begeistert, dass ich mich wohl mal auf die Suche nach weiteren Büchern des Autors machen werde.
      Sag mal Bescheid, wie dir das Ende gefallen hat, wenn du durch bist ;)

      Und danke für deine lieben Worte, ich freue mich, wenn du gerne vorbeischaust =)

      Viele liebe Grüße
      Julia

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      • Calli schreibt:

        Julia, du MUSST „Der Joker“ von Markus Zusak lesen! Das habe ich letzte Woche ausgelesen und es ist eins der besten Bücher für mich – jeeeemas! „Die Bücherdiebin“ hab ich mir sofort danach runtergeladen und lese ich dann nach meinem jetzigen Buch. Liebste Grüße!

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  2. hubilicious schreibt:

    Super-Buch, enorm berührend. Ich habe es mehrfach gelesen, u.a. einmal vor ein paar Jahren und dann kürzlich wieder mit meinem Buchclub. Eigentlich bin ich kein Fan von Literatur, die den 2. Weltkrieg aufgreift – ich fühle mich meist einfach zu schuldig bei solchen Erzählungen. Aber dieses Buch hat echt eine Saite zum Klingen gebracht ganz tief innen drin. Die Bedürfnisse der Protagonistin, dieser Wissensdurst, die Empathie, und alles, was das Kind schon mitgemacht hat, sowie die Funktionalität oder Dysfunktionialiät der Familie und der Dorf-Gesellschaft…. Toll. Wahnsinnig gut beschriebene Charaktere, und auch die Geschichte an sich. Traurig, aber gut.

    Ich habe vom selben Autor noch „I am the messenger“ gelesen, das braucht aber ein bisschen, wie ich finde. Und den Vergleich mit der „Bücherdiebin“ kann es m.E. nicht bestehen, aber das ist auch ein grosses Paar Stiefel, in das es da schlüpfen müsste.

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