[short stories] Limettenlächeln

„Deine liebste Zeit war immer die Zukunft.
Du hast geträumt. Deine Taschen voller Pläne. Die Karten unter’m Kopfkissen, damit du dir den Weg besser einprägen kannst.

Du hast in dir einen Schatzsucher gesehen, ohne Kompass und mit ganz viel Bauchgefühl.
Du bist mit Absicht in die falsche Richtung gelaufen, um unsere Stadt neu zu entdecken. Du gingst neue Wege, atmetest neue Luft, trafst neue Menschen.

Ganz unverhofft und ungeplant. Ohne Navi und Terminkalender.

Das war dein Mantra, während alle anderen auf ihre Noten in der Uni bedacht waren.
Es war dein Mantra, als die ersten von uns fertig wurden.
Und es war dein Mantra, als du Peter kennenlerntest.

Peter sah aus wie ein Mann, sprach wie ein Mann, dachte aber nicht wie einer.
Sein Denken war kindlich, sein Handeln sorglos und sein Lächeln ehrlich.

Ich sagte dir, er sei nicht gut für dich.
Doch wie so oft hörtest du zwar, was ich sagte, doch du hörtest nicht auf mich.

Du nanntest ihn deinen Peter Pan, und du wolltest seine Tinkerbell sein. Du wolltest mit ihm fliegen und du bautest in deinen Gedanken bereits euer gemeinsames Nimmerland. Du schwebtest und dein Wimpernschlag war Feenstaub.

Es war dein Abenteuer, dein nächtlicher Ausbruch aus dem Kinderzimmer. Du bist geflogen.
Drei Schleifen um den Mond und ein Luftkuss für den Mann, der dort wohnt.
Und du hast in den Sonnenaufgang getanzt auf rosa Zuckerwatte bis du den Boden aus den Augen verloren hast.

Dort habe ich gestanden. Für mich war kein Platz im Nimmerland.
Ich habe zugesehen und gewartet. In der Regel muss man bei dir nie lange auf die nächste Katastrophe warten.

Und bald war klar, dass der kindliche Mann dir ein männliches Kind hinterlassen hatte. Dir allein.
Erst wolltest du es wegmachen,
dann weggeben.
Jetzt kannst du es dir nicht mehr wegdenken und nennst es den verlorenen Jungen im Waschbärstrampler. Sein Lächeln ist ehrlich und es riecht nach Zuckerwatte.
Peter Pan ist zurück im Nimmerland.

Du sagst, ein Caipi wird es richten. Und du nimmst einen rohrzucker-knirschenden Schluck Verdrängung. Dann schenkst du mir dein Limettenlächeln und obwohl wir beide wissen, dass es nicht in Ordnung ist, tun wir so als sei alles ok.“ *

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Das Short Story Thema im Juni, das Bine und Andrea sich überlegt haben, lautet Tageszeit. Die beiden haben sich für 2014 vorgenommen, jeden Monat ein Thema zu veröffentlichen, zu dem dann jeder, der mitmachen möchte, seine Gedanken niederschreiben kann. Ich habe dies zum Anlass genommen, ein lang vernachlässigtes Hobby, das kreative Schreiben, zu reaktivieren. Jetzt schreibe ich jeden Monat einen kleinen Text und bin sehr auf euer Feedback gespannt! Diesen Monat habe ich mich inspirieren lassen und bin vom Thema Tageszeit zum Thema Zeit und Zeitpunkt gekommen.

Und ja, ich bin euch die Short Stories für März, April und Mai noch schuldig. Die für Mai bekommt ihr aber schon morgen! Seid gespannt ;)

Unterschrift1*Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass die Texte, die ich Rahmen von [Short Stories] schreibe, nicht autobiografisch sind! Sicher kann man sich nicht von Erfahrungen und Einflüssen frei machen, aber „Limettenlächeln“ spiegelt keine reale Situation aus meinem Leben wider.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Mehr [short stories]:
Januar: Roter Schlüpfer
Februar: Poesiealbum.
August: Schön

Dieser Beitrag wurde unter Kreatives Schreiben abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s