[Freitagsrezi] Crazy Dogs

Brigitte Werner habe ich vor fast zehn Jahren kennengelernt. Sie war Workshopleiterin in der Ferienakademie für Kreatives Schreiben und ich war zum zweiten Mal als Teilnehmerin da. Dieses Jahr war ich, nach fünfjähriger Pause, noch ein letztes Mal in der Ferienakademie und hatte das Glück, wieder bei Brigitte den sechstägigen Workshop besuchen zu können.

Und in einer der Pausen erzählte sie von ihrem neuen Buch – zum ersten Mal ein Jugendbuch, nachdem sie vorher in erster Linie Kinderbücher geschrieben hat. Und sie sagte zu mir: „Es wird dir gefallen“.

Und sie hatte Recht.

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„Crazy Dogs“ heißt das Buch. Und der Verlag Freies Geistesleben war so nett, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle!

„Crazy Dogs“ – komischer Titel, dachte ich erst. Denn es hatte nicht so viel mit dem Inhalt zu tun. Überhaupt wusste ich nicht, worauf die Geschichte hinauslaufen sollte, die von Mirjam erzählt wird. Mirjam ist am Anfang des Buches 13. Es sind die 80er Jahre, ihre Eltern – Lena und Pom – sind Künstler und irgendwie alternativ und irgendwie Hippies. Das war auch der Grund, warum ich anfangs nicht so richtig eintauchen konnte in Mirjams Welt. Ich konnte mich nicht mit den 80er Jahren identifizieren und nicht mit ihrem etwas chaotischen Leben als Künstlerkind, dessen Tante Greta ihre engste Vertraute war.

Schleichend änderte sich das.

Ich erkannte ein bisschen was von Brigitte in Mirjam, ein bisschen in Lena und ein bisschen in Greta – viele starke Frauen mit ihrer eigenen Sicht auf die Welt. Und ich erkannte plötzlich auch mich.

Die Sprache ist überschäumend, voller Bilder und Metaphern, überladen würde Brigitte sagen, die dafür eine Schwäche hat. Anfangs dachte ich „Mensch, das sind aber doch ein bisschen viele Bilder, oder?“. Aber gleichzeitig dachte ich auch „Wow, wie kann man das durchhalten, auf fast 500 Seiten so viele tolle und passende Metaphern zu finden.“ Ich war beeindruckt und – ohne es zu bemerken – gefangen in der blumigen Sprache der dreizehnjährigen Mirjam.

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Nun ist „Crazy Dogs“ also ein Jugendbuch. Es schildert die gesamte Jugend der Hauptfigur. Aber gleichzeitig ist es eine Geschichte, die rückblickend erzählt wird. Von einer älteren Mirjam und von einer erfahrenen Brigitte. Und so ist Mirjam von Anfang an eigentlich ein bisschen zu reflektiert für ihr Alter, ein bisschen zu einsichtig und ein bisschen zu schlau. Doch genau das macht sie sympathisch. Und genau das macht „Crazy Dogs“ zu mehr als einem Jugendroman.

Es ist herrlich, die Erlebnisse und Erfahrungen der Jugend, die man zum Teil selbst erlebt hat, wie zum Beispiel den ersten Liebeskummer, mit dem Schmunzeln einer Frau betrachten zu können, die schon weiß, warum bestimmte Sachen passieren und dass sich die meisten Dinge eben doch anders verhalten als gedacht.

Mit solchen Anspielungen arbeitet das Buch auch. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass etwas passieren muss, und man hat da auch so eine Vermutung. Am Ende passiert etwas, das viel schlimmer ist als das, was man erwartet. Es zerreißt einen und am Ende kamen mir die Tränen.

Ich finde das Buch ganz wundervoll, es hat alles, was das Leben – und vor allem das Erwachsenwerden – mit sich bringt. Und es ist für Erwachsene mindestens genauso gut geeignet wie für Jugendliche – wenn nicht sogar noch mehr. Ich bin ganz angetan und würde es direkt noch einmal lesen, um all die Bilder und Eindrücke aufzusaugen. Und ich möchte es jedem von euch ans Herz legen!

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