Meine Top Five: Was du in Prag gemacht haben solltest

Die Jahreszeit der verlängerten Wochenenden steht an. Und was macht da mehr Spaß als ein Kurzurlaub? Wie wäre es zum Beispiel mit einem Städtetrip? Über Ostern verschlug es Herrn Fuchs und mich nach Prag – eine schöne und interessante Stadt, die geschichtlich viel zu bieten hat. Leider ist sie überschwemmt von Touristen, Souvenir-Läden, Fressbuden und Abzocke! Daher sind meine Gefühle für Prag gemischter Natur. Wenn du aber mal hinfahren solltest, empfehle ich dir meine fünf Highlights, die du auch gut an einem Wochenende schaffst.

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Top 1: Das Burgenviertel

Ja, das gehört einfach zum Touri-Programm dazu. Man kann wunderbar den Königsweg entlang gehen. Das ist der Weg, den die Könige damals gehen mussten, um bei ihrer Ernennung sich a) dem Volk zu präsentieren und b) ihren Regierungssitz auf dem Hügel über der Stadt zu erreichen. Du startest am Pulverturm, einem alten Teil der Stadtmauer, die früher einmal die Altstadt umfasste. Das Tor im Turm war DAS Eingangstor, um in die Stadt hinein zu gelangen. Heute ist Prag natürlich deutlich größer. Die Altstadt wurde um die Neustadt erweitert, dazu aber später mehr.

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Der Pulverturm

Durch die Altstadt – und entlang unzähliger Souvenir-Shops mit hässlichen Postkarten (es war wirklich schwer, ein paar schöne zu finden!) – gelangt man unweigerlich zur Karlsbrücke. Jeder kennt die Karlsbrücke – sie ist berühmt für die Statuen, die sie säumen. Sie überspannt die Moldau, auf deren anderer Seite das Burgenviertel und die Kleinseite, ein weiterer Stadtteil, liegen.

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Karlsbrücke mit Blick auf die Burg

Der Weg an sich ist bereits sehenswert und macht auch Spaß. Bloß auf der Karlsbrücke wird es wirklich eng und man schiebt sich mit einer fleischigen Touristenmasse Meter für Meter über die Brücke. Die Sicht auf die Kleinseite und die Burg sind wirklich toll und unbedingt ein Foto wert.

Der Eingang zum Burgenviertel

Der Eingang zum Burgenviertel

Den kleinen Hügel und die Burg erreicht man gut zu Fuß. Es fährt wohl auch eine Metro, aber dann entgeht einem natürlich die Brücke. Oben angekommen erwartet einen das Burgenviertel als tatsächlich durch Mauern abgetrennter Bereich mit vielen aufeinanderfolgenden Höfen und alten Gebäuden. Viele davon können besichtigt werden, allerdings oft nur gegen Eintrittsgeld.

Links: St.-Veits-Dom, Rechts: St.-Georgs-Basilika

Links: St.-Veits-Dom, Rechts: St.-Georgs-Basilika

Es gibt zwei verschiedene Eintrittskarten: Die erste umfasst so gut wie alle Sehenswürdigkeiten, die zweite, etwas günstigere Variante (250 CZK für Erwachsene, 125 CZK für Studenten) umfasst den alten Königspalast, die St.-Georgs-Basilika, die St.-Veits-Kathedrale und das Goldene Gässchen, weshalb wir uns die Karten gekauft haben. Der Palast ist langweilig, die Basilika hübsch.

Die St.-Georgs-Basilika

Die St.-Georgs-Basilika

Beeindruckend ist der Dom, den man sogar aus dem Flugzeug beim Verlassen der Stadt noch sehen kann. Schön ist er auch von innen mit seinen großen bunten Fenstern, durch die farbenfrohes Licht in die Kirche fällt. Wirklich schön!prag-st-veits-kathedrale-fensterAuch das Goldene Gässchen ist hübsch, aber leider sehr überlaufen. Es ist eine Mischung aus Museum und Touristenmagnet. Die kleine Gasse beherbergt ein paar klitzekleine Häuschen, die früher mal von berühmten Persönlichkeiten Prags bewohnt worden sein sollen. So soll auch Franz Kafka dort gelebt haben. Ein kleines Schild an einem blauen Haus weist darauf hin. In einem anderen Haus ist eine Werkstatt eines Goldschmieds ausgestellt. In einem dritten kann man in die Welt einer Wahrsagerin eintauchen, die aufgrund ihrer Prophezeiungen über das Ende des zweiten Weltkrieges von den Nazis umgebracht wurde.

Im Goldenen Gässchen

Im Goldenen Gässchen

Top 2: Der Altstädter Ring

Direkt am alten Rathaus gibt es einen riesengroßen Platz, der an Ostern als Marktplatz für einen Ostermarkt diente. Für mich ein absolutes Highlight des Urlaubs, denn die kleinen roten Hütten des Marktes waren alle frühlingshaft geschmückt. Es gab sogar einen Oster-Baum. Und eine Bühne, auf der Folklore aufgeführt wurde. Mir hat das sehr viel Spaß gemacht.

Stadtfest auf dem Altstädter Ring

Stadtfest auf dem Altstädter Ring

Außerdem ist das Rathaus sehenswert. Es sieht ein bisschen abgerissen aus, was daran liegt, dass es einem Aufstand im zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen ist. Die Bevölkerung von Prag dachte, dass die Amerikaner sie befreien würde und zettelte einen Aufstand gegen die Nazis an, um das Ende der Besatzung herbei zu führen. Dabei wusste die Bevölkerung nicht, dass die Nazis den Befehl hatten, Prag in Ruhe zu lassen. Hitler wollte aus der Stadt mit dem hübschen jüdischen Viertel ein „Museum der ausgerotteten Rasse“ machen und die Stadt daher erhalten. Deshalb ist die Stadt auch so gut erhalten.

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Jedenfalls wurde bei diesem Aufstand das Rathaus angezündet und brannte zu gut zwei Dritteln ab. Heute steht nur noch der große Turm mit der astronomischen Uhr, die ein echter Hingucker ist. Die sollte man sich auf jeden Fall ansehen – inklusive der Show zu jeder vollen Stunde. Am besten mit Tourguide, um die Bedeutung dieser Uhr zu verstehen.

Die astronomische Uhr

Die astronomische Uhr

Abendprogramm auf dem Altstädter Ring

Apropos Tourguide:

Top 3: Eine Stadtführung

Klingt jetzt super touri-oma-spießer-mäßig, war aber auf jeden Fall eines meiner liebsten Erlebnisse in Prag. Es gibt zwar Stadtführungen, die von den Touristenzentren angeboten werden, viel besser sind aber die Gratis-Touren, die von Studenten auf die Beine gestellt werden. Eine davon ist sogar auf Deutsch.

Trefft Raluca, die Tourismus studiert und an den Wochenenden deutschen Touristen die Stadt näher bringt:

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Man kann mit ihr auch Termine für Gruppenführungen machen. Die Führungen starten am Altstädter Ring, zu erkennen an den grünen Regenschirmen. Hinterher gibt man Racula einfach ein bisschen Trinkgeld – denn das hat sie auf jeden Fall verdient. Sie macht die Tour mit viel Witz und Charme, und man lernt dabei eine Menge über Prag. Viel mehr als aus dem Reiseführer!

Top 4: Das Metronom

Hohe Gebäude, um die Aussicht über die Stadt zu genießen, gibt es einige. Aber das Metronom ist an der frischen Luft, kostet keinen Eintritt und schließt an einen Park an. Es gibt also viele Gründe, sich hier einen Überblick über Prag zu verschaffen.

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Schön ist der Weg vom Altstädter Ring über die Pariser Straße durch das jüdische Viertel, vorbei an der Alt-Neu-Synagoge. Auf dem Dachboden dort sollen noch Reste des Golems liegen, der einst die Juden dort bewacht hat. Leider ist der Eintritt ins Jüdische Museum so teuer (480 CZK für Erwachsene, 320 CZK für Studenten), dass wir uns die Synagoge nur von außen angesehen haben.

Die Alt-Neu-Synagoge

Die Alt-Neu-Synagoge

Das Metronom an sich ist übrigens ein Kunstwerk, das die Menschen daran erinnern soll, dass das Umschwenken von Sozialismus zum Kapitalismus stetig im Wandel ist und dass es auch genauso leicht wieder zurück schwenken kann. Früher stand an der Stelle des Metronoms eine Stalin-Statue, der Prag zu Füßen lag.

Top 5: Das Franz Kafka Museum

Ein absolutes Muss ist das Museum über das Leben und Werken des Schriftstellers Franz Kafka. Ich muss zugeben, seine Parabeln in der Schule nicht gerne analysiert zu haben. Dennoch geht von ihm und seinem Schaffen eine gewisse Faszination aus. Und das Museum zeigt so viele Facetten seines Lebens – das ist nicht nur interessant. Nach dem Besuch ergeben auch viele Dinge, die man in der Schule zu seinen Texten besprochen hat, endlich einen Sinn! Schade, wie viel da einfach mal wieder nicht gelehrt wurde.

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Wer also auch nur ein bisschen interessiert an Literatur ist, sollte sich das Museum auf jeden Fall ansehen. Anfangs ist die Inszenierung ein bisschen befremdlich durch die musikalische Untermalung, man merkt aber schnell, wie passend das alles ist. Die Inhalte sind super interessant, es ist sehr eindringlich gestaltet – dunkel, natürlich auch bedrückend. Es gibt sehr viel zu lesen, vieles dankbarerweise auch auf Deutsch.

Franz-Kafka-Denkmal

Franz-Kafka-Denkmal

Besonders wichtig: Man sollte pünktlich da sein. Das Museum schließt um 18 Uhr. Wer dann noch drin ist, wird sehr ruppig rausgeschmissen, egal, ob man alles gesehen hat oder nicht. Daher empfehle ich, spätestens um 16 Uhr da zu sein. Eintritt: 200 CZK Erwachsene, 120 CZK Studenten.

Vor dem Museum steht auch noch ein lustiges Kunstwerk:

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Zwei pinkelnde Männer. Das Becken entspricht dem Umriss der Tschechischen Republik. Der Unterleib der einen Statue bewegt sich. Einige sagen, dass die Bewegungen symbolisieren, dass er Buchstaben pinkelt, und zwar, um den anderen Mann zu beleidigen. Es wird auch dahingehend interpretiert, dass der eine Mann Amerikaner ist und der andere Russe und dass die beiden sich streiten, wer die Republik bekommt.

Blick von der Kampa

Blick von der Kampa

Außerdem sehr schön ist die Halbinsel Kampa, die man vor oder nach dem Besuch des Museums erkunden kann. Von dort hat man noch mal einen ganz anderen Blick auf die Karlsbrücke. Und man kann die nackten Popos dieser monströsen Baby-Skulpturen betatschen:

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Was man in Prag nicht verpassen sollte:

Kulinarisch gesehen sollte man wahrscheinlich Trdelnik gegessen und Becherovka getrunken haben – das eine ist ein süßes Brot, das andere ein scharfer Schnaps. Zum Essen in der tschechischen Hauptstadt erfahrt ihr hier in den nächsten Tagen aber natürlich noch einiges.

EDIT 18.04.2015:  Hier meine Café-Empfehlungen – inklusive „The World’s best Carrot Cake“ ;)

EDIT 22.04.2015: Hier gibt es meine Tipps für’s Abendessen in Prag.

Trdelnik

Trdelnik

Mitbringsel-Tipp: Viele schöne Mitbringsel gibt es meiner Meinung nach nicht. Die typisch tschechischen Sachen sind absoluter Ober-Kitsch. Aber es gibt einen Laden namens Manufaktura, der tschechische Kosmetik-Produkte verkauft. Unter anderem auch mit Hopfen- oder Bierextrakten. Denn Bier und Schönheit gehört bei denen zusammen. (Man kann auch Bierbäder nehmen, aber ich hatte leider meinen Bikini nicht dabei. Vielleicht ein andermal.) Ich selbst habe mir eine Lippenpflege von Manufaktura mit Hopfen mitgebracht und bin schon ganz gespannt aufs Ausprobieren.

Noch mehr Stadtfest

Noch mehr Stadtfest

Hotelempfehlung: Das Hotel Ehrlich im Stadtteil Zivkov ist ein Vier-Sterne-Hotel zu wirklich moderaten Preisen. Das Frühstück ist inklusive und es bietet fast alles, was ein Frühstück braucht. Das Brot ist allerdings immer mit Kümmel gewürzt, daran muss man sich evtl. gewöhnen. Es gibt Tee, verschiedene Kaffeesorten und sogar Kakao. Damit ist das Frühstück für mich ja eh gerettet. Außerdem gibt es Rührei oder gekochtes Ei. Und an den Osterfeiertagen (So/Mo) gab es sogar Pfannkuchen. Zudem ist der Service sehr freundlich und zuvorkommend: Am ersten Abend kamen wir aufgrund der Verspätung unseres Fluges erst nach 23 Uhr im Hotel an. Trotzdem bekamen wir noch Tee, um uns aufzuwärmen (es war wirklich kalt in Prag).

In der St.-Veits-Kathedrale

In der St.-Veits-Kathedrale

Und auch, als uns am dritten Abend plötzlich ein Handtuch fehlte, das die Putzfrau wohl mitgenommen haben musste, wurde uns noch spät abends Ersatz gebracht. Das Zimmer war auch annehmbar sauber und das Bad erst recht. Kann ich empfehlen.

Blumen vor dem Rathaus

Blumen vor dem Rathaus

Ein letzter Tipp: In Prag wird in Tschechischen Kronen (CZK) gezahlt. 25 CZK entsprechen etwa 1 €. Mit einer Kreditkarte kann man an jedem beliebigen Geldautomaten (und davon gibt es eine Menge!) Kronen abheben. Bereits am Flughafen kann man sich so mit ein paar Kronen für die Busfahrt in die Stadt ausstatten.

Und zum Schluss: Ein Blick auf die Stadt mit Miniatur-Effekt =)

Und zum Schluss: Ein Blick auf die Stadt mit Miniatur-Effekt =)

Wart ihr schon mal in Prag? Verratet ihr mir eure Highlights?

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12 Antworten zu Meine Top Five: Was du in Prag gemacht haben solltest

  1. Olga schreibt:

    Wenn ich das alles lese, bekomme ich so Lust auch zu verreisen 😍

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  2. TanjasBunteWelt schreibt:

    Hallo Julia,

    danke für die Tipps, in Prag selber war ich nie – steht noch an. So kann ich schon mal einen kleinen Überblick bekommen. Touris sind wirklich viele auf manchen Fotos zu sehen, in real waren es sicher noch mehr.
    LG Tanja

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    • Julia schreibt:

      Hallo liebe Tanja,
      jaaa, es war so unglaublich voll! Das lag aber bestimmt auch am Oster-Wochenende. Nächste Woche schreibe ich aber auch noch auf, was man auf jeden Fall meiden sollte und wo man als Touri abgezockt wird :D
      Liebe Grüße

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  3. chaosmacherin schreibt:

    Immer wenn ich solche tollen Reiseberichte auf Blogs sehe bekomme ich Fernweh und bemerke, wie wenig ich von der Welt eigentlich gesehen habe.
    Tolle Fotos! Und die Tilt-Shift-Aufnahme am ende ist besonder toll :)

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  4. RAWRBRGR schreibt:

    ich wollte auch schon so lange mal nach Prag ♥ Werde mir deinen Post auf jeden Fall merken, für die Zukunft :)

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  5. Julia schreibt:

    Prag ist so eine wunderschöne Stadt, ich hoffe du hattest eine Schöne Zeit dort :)

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  6. Sonnenblumenkind schreibt:

    Tolle Fotos und super schöne Eindrücke

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  7. Magda schreibt:

    Danke für den tollen Post! Ich bin ab Donnerstag für vier Tage in Prag und da war der Beitrag echt hilfreich, habe mir direkt ein paar Ideen aufgeschrieben. :)

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  8. hello-mrs-eve schreibt:

    Ich danke dir, dass du mit diesem Artikel bei meiner April-Link-Party dabei warst! Das sieht nach einer sehr schönen Zeit in Prag aus, das ich leider noch nicht selbst besucht habe. Aber wenn, weiß ich nun, wo ich gute Tips finde :) Vielleicht hast du im Mai wieder Lust, mitzumachen und einen Beitrag aus dem letzten Jahr zu zeigen? Die Partys werden in Zukunft immer ab 15. zur Monatsmitte stattfinden :) Liebe Grüße! Kea

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  9. Yvonne schreibt:

    Wow! Ein toller Beitrag zu Prag! Danke, dass Du ihn zugefügt hast :)
    So finde ich ihn dann zum Glück auch schnell bei unserem nächsten Prag-Besuch!

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    • Julia schreibt:

      Hallo liebe Yvonne,
      danke =) Das freut mich und ich hoffe, ich konnte dir noch den ein oder anderen Tipp geben, obwohl du die Stadt schon kennst ;) Sie ist ja auf jeden Fall eine REise (oder mehrere?) Wert! =)

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