[Freitagsrezi] Die Mechanik des Herzens

Ein Junge lebt mit einer Kuckucksuhr als Herzschrittmacher – eine Metapher auf das Erwachsenwerden, die Liebe und den Schmerz, den wir im Leben erfahren müssen.

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Es ist ein Märchen mit fantasievollen Bildern und einer überbordenden Sprache. Der Autor beschreibt die Gefühle des Jungen so kunstvoll und bildreich, dass man ins Schwelgen und Träumen kommt.

„Ihr winziges „Ja“ klingt wie das Piepsen eines Vogelkükens, aber in mir hallt es wider wie wildes Triumphgebrüll. Rosa Schauer laufen mir über den Rücken, das Ticken meiner Uhr klingt wie eine Perlenkette, die sich Miss Acacia durch die Finger gleiten lässt. Ich bin unbesiegbar glücklich.“

Die Geschichte ist schnell erzählt und lässt sich in nur drei Stunden lesen. Aber sie füllt Seele und Herz für viele viele Stunden und Tage: Der kleine Jack wird am kältesten Tag aller Zeiten geboren. Sein schwaches Herz kann der Kälte nichts entgegensetzen: Es gefriert. Die Hebamme Doktor Madeleine bringt ihn zu Welt und sein kleines Herz wieder zum Schlagen, indem sie ihm eine Uhr einsetzt, die jeden Morgen aufs Neue aufgezogen werden muss, um den Rhythmus vorzugeben: Ticktack. Bubumm. Ticktack. Bubumm.

Der Leser verliebt sich gemeinsam mit Jack – und das, obwohl es verboten ist, sich zu verlieben. Das schwache Herz würde so überwältigenden Gefühlen wie Liebe und Zorn nicht standhalten.

Natürlich kommt es, wie es kommen muss. Wir erleben Jacks junges Leben als Achterbahnfahrt der Gefühle, reisen von Schottland nach Spanien, fiebern mit, verlieben uns erneut, lachen, trauern und fühlen jeden schmerzhaften Schlag der Uhrenzeiger in Jacks Brust.

„Die schreckliche Brigitte reiht sich nahtlos in die Riege der gnadenlosen Spötter ein. Aber sie weiß nicht, wie hart der Panzer aus Träumen ist, den ich mir von klein auf zugelegt habe. Ich bin die widerstandsfähigste Schildkröte der Welt! Ich werde den Mond verschlingen wie einen phosphoreszierenden Pfannkuchen und dabei an Miss Acacia denken. Du kannst mich mit deinem hämischen Zombie-Grinsen verfolgen, so viel du willst, du kannst mir nichts anhaben!“

Ein bisschen ungewöhnlich ist es, dass die Geschichte im Präsens erzählt wird. Andererseits ist man so viel näher dran an den Geschehnissen. Außerdem gibt es so keine Rückblenden oder Vorwegnahmen, keine Interpretation des Geschehens, sondern einfach nur die Gefühle, die zu jedem einzelnen Zeitpunkt eine Rolle spielen.

Nur ein einziges Mal wird für den Leser eine Information vorweg genommen, und das sehr geschickt. Die Tragik der Erzählung wird so verstärkt, ohne dass der Autor übertriebene Bilder einsetzen muss.

Ich möchte nicht zu viel verraten. Wer allerdings romantisch-morbide Geschichten a la Tim Burton mag, der muss diesen Roman einfach lesen!

„Miss Acacias riesige Augen verschwinden hinter den Sonnenschirmen ihrer Lider, und ich fühle mich wie ein Gewichtheber, der Gebirge stemmt, mit der Linken den Himalaya, mit der Rechten die Rocky Mountains. Im Vergleich zu mir ist Atlas ein Schwächling.“

Geschrieben wurde „Die Mechanik des Herzens“ von Mathias Malzieu, einem französischen Sänger. Natürlich musste so eine herzallerliebste Vorlage verfilmt werden. Bekannt unter „Jack und das Kuckucksuhrherz“ kam 2014 der Animationsfilm ins Kino. Regie führte u.a. der Autor selbst, was für mich persönlich oft dafür spricht, dass die Bilder im Film auch den Bildern im Buch entsprechen.

Natürlich ist aber das Buch tausendmal besser. Im Film wird vieles weggelassen und so viele Bilder entstehen eben im Kopf doch viel schöner als ein Film es zu zeigen vermag.

Kennt ihr Buch oder Film? Oder Bücher, die ähnlich sind?

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2 Antworten zu [Freitagsrezi] Die Mechanik des Herzens

  1. TanjasBunteWelt schreibt:

    Hallo Julia,

    ich habe eine Vorschau vom Film im Kino gesehen. Leider ist das absolut nicht das was ich gerne sehe oder mag.
    LG Tanja

    Gefällt mir

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