[Freitagsrezi] Metamorphose am Rande des Himmels

Manche Bücher haben merkwürdige abstrakte Titel. Titel, die nichts verraten. Titel, die man erst interpretieren muss, und die erst am Ende des Buches wirklich Sinn ergeben. Titel, die manchmal einfach nur spannend klingen, eigentlich aber total nichtssagend sind.

Der Titel des heutigen Buches ist, ohne zu viel verraten zu wollen, irritierend wörtlich gemeint.

Wie auch schon „Die Mechanik des Herzens“ ist auch „Metamorphose am Rande des Himmels“ von dem französischen Musiker Mathias Malzieu. Die beiden Bücher sind sehr gut vergleichbar. Beide sind im Präsens geschrieben, sodass man die ganze Zeit über mitten im Geschehen ist. Die Geschichte ist geradlinig, daher kann man ihr trotz der abstrakten Bilder sehr gut folgen. Anfangs war ich von einigen Metaphern – ich hielt es zumindest für solche – verwirrt, denn ich wusste nicht recht, wie ich sie interpretieren sollte. Schnell wurde aber klar: Das war wörtlich gemeint. Dadurch bekommt die Geschichte relativ schnell einen doch sehr unrealistischen Touch, während man „Die Mechanik des Herzens“ ja wunderbar als Metapher auf das Leben ansehen konnte.

Die Hauptperson der Metamorphose ist ein Stuntman namens Tom, der vom Fliegen träumt. Diesem Traum begegnet er wieder am Rande des Himmels – einem Hochhausdach.

Was dann aber geschieht, ist absolut nicht vorhersehbar. Daher verrate ich auch nicht mehr.

Geschickt – und notwendig – ist der Perspektivwechsel in der zweiten Hälfte des Buchs. Es kommt ein zweiter, weiblicher Erzähler dazu, der die Geschehnisse ein wenig nüchterner beschreibt, sodass man trotz der bizarren Ereignisse am Ball bleibt.

Insgesamt ist dieses Buch aber weniger mainstream-tauglich als „Die Mechanik des Herzens“. Wem der Schreibstil und die Bilder gefallen haben, der kann sich auch an die Metamorphose ranwagen. Jedem ans Herz legen würde ich sie aber nicht. Wer das Buch aber liest: Innerhalb von zwei Stunden hatte ich es durch, ein wirklicher Zeitverlust entsteht einem also nicht, sollte man sich für die Lektüre entscheiden.

Die Sprache ist ein Fest, braucht aber Fans. Die Geschichte ist schön, absurd, unrealistisch und eine wundervolle Vorstellung vom Leben und dem, was kommen kann.

Eher eine Empfehlung für Fans.

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