[minimalismus challenge] No Complaint Day

Sich einen Tag lang nicht beschweren. Das sollte doch eigentlich nicht so schwer sein.

Im Rahmen der Minimalismus Challenge habe ich genau das einen Tag lang versucht. Zwei Dinge habe ich dabei bemerkt:

Das eine ist: Wo fängt eigentlich Beschweren an? Ist es schon der Satz „Heute ist Montag“ oder „Ich bin müde“ – oder gelten die beiden noch als Feststellungen?

no-complaint-day-no-complaintsJeder weiß, dass bei beidem eigentlich eine Beschwerde mitschwingt. Wir haben es uns also zu eigen gemacht, aus vielem, was im Alltag passiert, eine unterschwellige Beschwerde zu machen. Und all diese Äußerungen gehören zum Büro-Smalltalk dazu.

Man kann sie weglassen. Dann redet man aber automatisch weniger mit seinen Kollegen. War bei mir so.

Was mir außerdem aufgefallen ist: Es gibt so eine Abart bei Unterhaltungen, die sich ab und an einschleicht und die von manchen Menschen wirklich in Perfektion beherrscht wird. Ich nenne sie „Übertrumpfen“. Dabei geht es darum, in einem normalen Gespräch mit zwei oder mehr Personen immer noch einen drauf zu setzen, und zwar im Schlimmen. Wenn also jemand eine schlimme, traurige oder eklige Geschichte erzählt, in der am besten er selbst der Leidtragende und zu Bemitleidende ist, dann wird schnell im Gedächtnis gekramt, um dem eben Erzählten mit einer eigenen traurigen oder schlimmen Geschichte die Krone aufzusetzen. Und plötzlich steht man selbst im Mittelpunkt und ist der zu Bemitleidende.

Das nervt!

Das ist der Grund, warum ich immer wieder versuche, nicht in diese Abart abzurutschen. Mir gelingt das ganz gut. Auch ohne eine Aufgabe wie den No-Complaint Day. Aber mir fällt immer wieder auf, wie viele Menschen so in einem Gespräch vorgehen.

Echt, Leute, es geht nicht darum, wer die schlimmsten Dinge erlebt hat. Sich damit zu brüsten ist erbärmlich, traurig und respektlos dem gegenüber, der zuerst seine Story erzählt hat – vielleicht, um sie sich von der Seele zu reden.

Vielleicht sollten wir doch lieber wieder dazu übergehen, schöne Dinge zu erzählen. Aber auch hier gilt: Übertrumpfen ist Angeben und ebenso wenig beliebt.

Oder wie seht ihr das?

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Eine Antwort zu [minimalismus challenge] No Complaint Day

  1. Sarah schreibt:

    Übertrumpfen geht ja leider in beide Richtungen und keine davon ist schön.
    Ich hab immer öfter das Gefühl, dass die Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit immer mehr werden. Viele sind nur noch bei sich – bewusst oder unbewusst – und schwenken im Gespräch automatisch wieder auf sich selbst. Oft haben solche Menschen das Gefühl zu kurz zu kommen oder sie werden benachteiligt. Was lächerlich ist! Ich finde es einfach nur traurig, in welche Richtung sich diese Gesellschaft entwickelt.
    Aber soll jeder machen, wie er oder sie es für richtig hält.

    Liebe Grüsse und einen schönen Restsonntag,
    Sarah

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