[Blogparade] From the D to the F

„Du mit deinen Atomhupen!“, lacht meine Freundin und ich lache mit, obwohl ich mich insgeheim ein bisschen schäme. Ich bin 19 und den Spruch „Du musst zeigen, was du hast“ kann ich nicht ausstehen.

mein-koerper-und-ichJahrelang habe ich mich verglichen, das fing schon in der Schule an, schon früh, denn irgendwie waren auch meine Brüste ziemlich früh dran. Und als dann irgendwann ein D auf den Zettelchen im BH stand, spätestens da war es für mich ganz und gar nicht mehr schön.

Schon mit 13 wurde ich auf 16 geschätzt – im Urlaub, in der Türkei. Einer dieser Verkäufer smalltalkte mit meiner Mutter und fragte, wie alt ihre Töchter seien. Ganz erstaunt war er, als er hörte, ich sei erst 13. Um seinem Erstaunen Nachdruck zu verleihen, hielt er sich die zu Schalen geformten Hände vor den Brustkorb und machte große Augen.

Wie peinlich!

Wie demütigend!

Ich trug keine Trägertops mehr. Nur noch T-Shirts. Möglichst hoch geschlossen. Dass man dadurch die Oberweite optisch auch noch vergrößert, das war mir damals noch nicht so klar. Heute weiß ich das. Heute trage ich aber auch BHs, die mir Sicherheit geben. Damals waren die Träger der BHs für große Größen mindestens so breit wie mein Zeige- und Mittelfinger zusammen. Schön sah das nicht aus, wenn sie unter Trägern hervorlugten. Da kamen keine rosa Spitzen von Hello-Kitty-H&M-B-Körbchen-Standard-BHs zum Vorschein, sondern weiße, breite Streifen, die den Rücken entlasten und das Extra-Gewicht vor meinem Brustbein stemmen mussten.

Etwas später hörte ich von einem Jungen – und die können ja auch ganz schön gemein sein –, dass Mädchen mit großen Brüsten nur große Brüste haben, um ihren Bauch zu kaschieren.

Meinen Bauch fand ich auch nicht besonders schön. Und obwohl in mir drin eine Stimme schrie: „Wie unverschämt! Wie kann man so was Dummes sagen!“ und „Als ob du dir deine Oberweite aufgrund deines Bauches ausgesucht hättest!“ – obwohl ich das irgendwo tief in mir wusste, war ich verunsichert. Einmal mehr.

Mein Bauch war nicht so flach und als ich mich mit den flachbäuchigen, kleinbusigen Mitschülerinnen verglich, fand ich deren Körperbau erstrebenswert. Aber dran gearbeitet habe ich nicht. Habe ich nie. Ja, ich habe Sport gemacht. Heute mehr denn je. Aber ich wurde so erzogen, dass es mir nie eingefallen wäre, wirklich ernsthaft zu diäten oder auf’s Essen zu verzichten. In meiner Familie gab es keinen übertriebenen Körperkult. Nur ein gesundes Maß, auf sein Äußeres zu achten.

Ich änderte also wenig, bemitleidete mich aber selbst. Mich mit meinem undisziplinierten Essverhalten, meinen großen Brüsten und meinen Bauch, der durch die Brüste kaschiert wurde.

Ich war nie wirklich dick. Aber in der Pubertät verteilt sich die Körpermasse ja auch noch mal um. Ich hatte das Gefühl, danach wurden meine Brüste noch größer.

Mit 18 hatte ich viele Jungs im Freundeskreis. Natürlich schauten sie hin. Bei manchen fand ich das nett, bei den meisten fies. Bei meinem ersten Freund hatte ich nie das Gefühl, dass etwas an mir verkehrt ist. Das war gut. Dennoch freute ich mich über die 4 Kilo, die ich abnahm, als es schließlich vorbei war. Da fand ich mich zum ersten Mal wirklich richtig gut aussehend. Da war ich 20.

Voller Selbstbewusstsein lernte ich meinen jetzigen Freund kennen. Und mit dem ging ich sogar mal zu einem richtig teuren Unterwäsche-Laden, um dort die Körbchengröße bestimmen zu lassen. Bei diesem Fitting stellte sich heraus, dass D nicht die richtige Größe war. Heute trage ich F und finde meinen Körper schön. Ja, die Männer schauen immer noch. Und ja, meine Freundinnen sagen auch, meine Brüste sind ziemlich groß. Aber eines ist heute anders: Ich schäme mich nicht mehr.

Das hat lang genug gedauert. Sicher habe ich viele Jahre unnötig unter meinem Äußeren gelitten, da es a) nicht nötig gewesen wäre und b) ich ja auch schon früher etwas hätte ändern können. Vor ein paar Monaten sagte meine Freundin Ina zu mir „Julia, wenn du etwas wirklich willst, dann kannst du alles schaffen!“ Und sie hatte Recht.

Ich habe meine Muskeln trainiert, meine Schultern und mein oberer Rücken können die Extra-Kilos vor dem Brustbein ohne Mühe stemmen. Ich habe keine Probleme mit Rücken- oder Nackenschmerzen. Ich habe meinen Bauch trainiert. Es wird. Und ich habe meine Ernährung umgestellt. Meine Mama sagt, man sieht schon erste Erfolge. Mein Freund liebt mich und meinen Körper. Und ich fühle mich nicht auf meine großen Brüste reduziert. Beim Zumba sind sie zum Shaken sogar manchmal ganz nützlich. Man darf eben doch zeigen, was man hat!

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Fee von Fee ist mein Name hat zur Blogparade „Mein Körper und ich“ aufgerufen. Ich finde, das ist ein wichtiges Thema. Jede Frau hat Bedenken, ist unsicher und hat mindestens eine Körperstelle, die sie insgeheim nicht leiden kann. Wir machen es uns damit so schwer. Andere Menschen lieben uns ungeachtet dieser Schwachstellen. Wir sollten dasselbe tun! Und es steht jedem frei, an sich zu arbeiten. Körperlich, aber auch mental. Denn Zufriedenheit ist auch Einstellungssache.

Wie geht ihr mit dem Thema Körperkult um? Wie steht ihr zu euch selbst? Habt ihr selbst eine Geschichte zu erzählen? Erzählt sie in den Kommentaren oder auf eurem Blog und macht mit bei Fees Blogparade.

Unterschrift1

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Übrigens: Die Goodie Bag vom Meet me in Cologne Event gewonnen hat TanjasBunteWelt!

Herzlichen Glückwunsch!

 

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9 Antworten zu [Blogparade] From the D to the F

  1. Mopsi schreibt:

    You are beautiful <3

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  2. TanjasBunteWelt schreibt:

    Hallo Julia,

    oje, ja Kinder oder Jugendliche können schon hart sein, im Alter dreht sich dann das in die eher sexuelle Richtung, zumindest bei den Jungs. Dir ging es ähnlich wie mir, ich sah mit 13 schon so aus wie jetzt. Also von der Größe her und auch meiner weiblichen „Vor“ Züge ;-)
    Mich hat es jedoch nie gestört und mein Bauch war und ist noch immer nicht flach, was solls mein Mann liebt mich wie ich bin und hier und da mache ich auch etwas Sport (momentan eher kaum) für mein schlechtes Gewissen, das ich eigentlich gar nicht haben müsste. Irgendwie kaufen glaube ich die meisten Frauen die falsche Größe bei den BHs. Ich bekam im Triumpf eine wirklich klasse Beratung, da ich einen neuen BH brauchte und mal was Gutes kaufen wollte. Ich ging rein, sagte das ich einen BH brauche und sie fragte nach der Größe. Ich nur B oder C, dann hat sie mich angesehen und meinte sofort, tut mir leid aber sie haben ganz klar ein D Körbchen und schickte mich mit einigen Modellen in die Umkleide. Alle aber wirklich alle passten so perfekt und zwickten nicht, stützten perfekt und es gab keine Einschnürung oder es quoll leicht an den Seiten raus. Man sollte wirklich öfter mal eine gute Fachberatung hierfür aufsuchen – ist Gold wert.
    lg Tanja und schön das du dich nun so akzeptierst und gut fühlst dabei

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  3. Kornelia Grünert schreibt:

    Liebe Julia,
    ich kann sehr gut verstehen wie du dich gefühlt hast. Mir erging es damals ähnlich, ich beneidete die kleinen zarten Mädchen mit wenig Busen und schlanken Beinen. Ich war groß, stämmig und hatte Cup D. Heute bin ich 51 Jahre und trage F. Leider bin ich derbe in die Breite gegangen, aber ich freue mich immer wenn ich einen tiefen Ausschnitt trage und es wird geschaut… ja schaut hin, ich kann was zeigen. Klar würde ich gerne niedliche Bh`s tragen, aber die gibt es nicht in der Größe und unverschämt teuer sind sie auch.
    Im Prinzip ist es unwichtig, ob groß oder klein, ob dick ob dünn, schön macht mich mein inneres von dem ich selber weiß das ich ein guter Mensch bin.
    Alles Liebe für dich
    Kornelia

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  4. lovelyolivblog schreibt:

    Toller ehrlicher Blogpost!

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  5. Kerstin schreibt:

    Hallo Julia,

    ein toller Bericht, den ich gerne gelesen habe. Das Thema begegnet einem ja immer wieder in Blogs… und ich muss sagen, ich bin immer wieder erstaunt. Erstaunt deswegen, weil es mir ganz anders ging und geht. Ich habe mich seltsamerweise in meiner Jugend nie durch irgendwelche Sprüche irritieren lassen. Ich hatte zwar eine „perfekte“ Figur, aber ich bin sehr groß und da kommt da halt immer mal wieder ein dämlicher Spruch auf einen zu. Heute ist meine Figur nicht mehr perfekt und es stört mich trotzdem nicht. Ich glaube, dazu muss ich mal selber einen Blogpost schreiben, es gäbe so viel zu sagen – dazu hast du mich jetzt echt animiert. Danke.

    Liebe Grüße
    Kerstin

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  6. Fee ist mein Name schreibt:

    Danke für deinen Beitrag, den ich gerade verlinkt habe <3!

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  7. kindderachtziger schreibt:

    Toller Beitrag, kenne das aus der Jugend auch. Habe auch vor einigen Jahren ein Fitting im Dessousgeschäft gemacht und das hat mir wirklich einen Schub gegeben. Kaum zu fassen, was der richtige BH bewirken kann. Einen Bauch zum kaschieren habe ich zwar immernoch, aber ich gehe aufrechter und selbstsicherer durchs Leben. Bewahre dir deine Einstellung zu deinem Körper, denn es ist alles gut so wie es ist. Und zum shaken sind sie wirklich nützlich, als Frau sollte man seine Vorteile nutzen.

    Viele Grüße, Silke

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  8. Lena schreibt:

    Deine Erzählungen über deine Erfahrungen aus deiner Jugend könnten eins zu eins von mir stammen. Ich bin mit 1,56m wirklich klein – trage aber 75F. Ich beneide immernoch all die Frauen mit den kleinen Brüsten, bei denn die schicken Kleider nicht um die Brust rum spannen und die Ärmel sich verziehen, denen nicht gleich vorgeworfen wird, sie wollten den Dozenten positiv beeinflussen, nur weil man den Brustansatz sieht.
    Leider habe ich ziemlich starke Rückenprobleme und das wird bei jedem Sport nur schlimmer statt besser.
    Aber keiner glaubt einem wenn man erzählt wie lästig das ist. Alle sagen immer man solle froh sein. Und as macht es irgendwie nur schlimmer weil man alleine ist mit dem Problem. Ich habe leider noch kein Geld für eine OP (und werde noch lange darauf hinarbeiten müssen) und momentan ist die Situation total aussichtslos….

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  9. Pingback: So formst du deinen Körper: 30 Day Shred & Low Carb | Lila Lummerland

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