[Freitagsrezi] Schattenmorellen

Ein Verlegenheitskrimi. So nenne ich die günstigen E-Books, die ich zwischendurch mal bei irgendwelchen Aktionen für den Kindle ergatterte. Manchmal, weil der Titel interessant klingt. Manchmal, weil ich mir was von der Inhaltsangabe verspreche.

Was bei „Schattenmorellen“ von Sigrid Hunold-Reime der Fall war, weiß ich nicht mehr. Aber kürzlich kam ich in die Verlegenheit, den Krimi zu lesen, als ich ein anderes Buch ausgelesen hatte und die letzten verbliebenen Bücher auf meinem Kindle ein romantischer und ein spannender Roman waren. Deshalb auch Verlegenheitskrimi.

schattenmorellen-rezension

Jedenfalls hat sich das Lesen in diesem Fall tatsächlich gelohnt. Denn die Geschichte um die 71-jährige Martha ist spannend und lesenswert erzählt – mit vielen Verstrickungen und Ereignissen aus der Vergangenheit, die ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen.

Dieses Gefühl wird wunderbar bereits durch den Prolog vermittelt. Der bleibt übrigens nicht so merkwürdig schleierhaft, wie es manchen Prologen (ist das die Mehrzahl?) eigen ist. Er besitzt einen ganz konkreten, greifbaren und verständlichen Bezug zur Geschichte. Das finde ich gut, denn so wirkt die Handlung rund und abgeschlossen.

In dem Zusammenhang ist übrigens auch der Titel „Schattenmorellen“ intelligent gewählt.

„Tagebücher sind gefährlich. Vielleicht sollte man sie schreiben und am gleichen Abend wieder verbrennen. Nicht in Schubladen legen, als könnten wir so etwas von der gelebten Zeit aufbewahren.“

Martha erwacht nach einem Sturz im Krankenhaus. Dort erinnert sie sich zwar nicht an den Unfall, dafür hat sie aber viel Gelegenheit, allein und auch gemeinsam mit einer anderen Patientin auf ihrem Zimmer Vergangenes aufzuarbeiten.

Dabei kommt so einiges ans Licht, das man anfangs niemals vermutet hätte. Anderes wiederum wird gekonnt angedeutet, sodass man als Leser Vermutungen anstellen kann und nicht absolut irre geleitet wird. Sowas finde ich ebenfalls gut.

Die Handlung bleibt spannend. Die Aufarbeitungsepisoden werden durch unterhaltsame Krankenhausszenen unterbrochen. Der Krimi lässt sich leicht und in kurzer Zeit runterlesen.

Sprachlich ist er anschaulich und angenehm. Erzählt wird die Geschichte von Martha selbst, aus der Ich-Perspektive. Irritiert hat mich, dass die Sprache einfach nicht so recht zu einer 71-Jährigen passen will. Deshalb kollidierte mein Bild einer resoluten Mittfünfzigerin ständig mit dem beschriebenen weißen Haar und den Omi-Windeln.

Am Ende jedes Kapitels gibt es eine Szene im Schwesternzimmer des Krankenhauses. Die fand ich eine ganze Weile ziemlich unnötig. Sie fasst als Gespräch zwischen den Krankenschwestern noch einmal zusammen, was im vorangegangenen Kapitel geschehen ist. Irgendwann ist mir dann aber ein Licht aufgegangen: Diese Szene wird gebraucht, um das Ende zu erzählen. Und so war es dann auch. Und das lässt den Leser relativ zufrieden zurück. Die Handlung findet einen Abschluss, der absolut zum Roman passt.

Insgesamt also ein witzig-dramatischer Krimi, der vor allem Frauen anspricht.

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