[Blogparade] Ganz oder gar nicht

Ein Jahr ist es her, dass meine heutige Chefin den erlösenden Satz aussprach: „Wenn du willst, stelle ich dich direkt morgen ein.“ Ich war geplättet, bat aber um ein paar Tage Bedenkzeit. Nicht, dass ich irgendwelche Bedenken gehabt hätte. Aber Menschen neigen ja dazu, sich Optionen offen zu halten. Innerhalb dieses letzen Jahres hat sich eine Menge geändert. Nicht nur, dass ich endlich im Berufsleben – und noch wichtiger: in meinem Beruf – angekommen bin, er mir Spaß macht, ich tolle Projekte betreuen und immer mehr Aufgaben übernehmen durfte. Viel mehr:

Viele kleine Dinge im Alltag haben sich verändert. Mein Schlafrhythmus. Mein Sport. Mein Essen. Mein Hobby, Bloggen, wurde von einer Wann-immer-ich-will-Freizeitbeschäftigung zu einem wöchentlichen Termin: Immer wieder sonntags.

Als Tanja dann fragte, unter welchem Motto mein 2016 stehen soll, da war ich von der Idee direkt begeistert. Ein paar Tage später wusste ich ganz plötzlich ganz genau, welches eine Wort mein 2016 beschreiben soll:

Balance.

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Ich bin immer ganz oder gar nicht. Egal, was ich mache. Halbe Sachen sagen mir nicht zu. Da fühle ich mich dann irgendwie unpassend. Wie auf Parties, auf denen man niemanden kennt. Dieses Gefühl, etwas eigentlich gut zu finden (den Gastgeber), aber sich mit den Gegebenheiten (den Leuten, dem Essen, dem Anfahrtsweg) nicht identifizieren kann.

Extreme sind spannend und jeder sollte sie mal erlebt haben. Nichts ist schlimmer als ein Leben auf dieser neutralen Linie ohne Ausreißer. Klar, jeder mag die Peaks nach oben lieber als die nach unten, aber manchmal motivieren einen genau die, etwas ganz Neues zu machen, sein Leben zu überdenken oder endlich mal in die Hand zu nehmen, was schon viel zu lange genau darauf gewartet hat.

„Das macht dich aus“, hat eine sehr gute Freundin gesagt. „Ich kenne niemanden, der so viel Willensstärke und Disziplin an den Tag legt, um etwas zu erreichen.“ Eben, ganz oder gar nicht. Halbe Sachen sind nicht so mein Ding. Das Problem: Manchmal will ich etwas zu sehr. Zu unbedingt. Zu ohne Kompromisse.

Und weil ich sehr mitteilsam bin, erfährt das auch zwangsläufig jeder in meiner mittel- und unmittelbaren Umgebung. In letzter Zeit überwog da sicherlich mein aktuelles Lieblingshobby – Fitness. „Du suchst doch nur nach Aufmerksamkeit“, hat eine andere Freundin gesagt. Und im selben Atemzug gefragt, ob ein flacherer Bauch mich glücklich machen würde.

Fitness oder Freakness? Wenn Essen zur Hauptsache wird.

Das war natürlich eine Kritik an dem Extrem Sport, das in den letzten Monaten Überhand genommen hat. Überhaupt kreisten meine Gedanken unfassbar oft um Essen, Sport und Muskelaufbau. Darum, wann ich einen Cheatday einbaue und was ich dann den Rest der Woche esse. Ob ich vier oder fünf Mal in der Woche mein Workout schaffe und dass ich es für eine schlechte Woche hielt, wenn ich nur vier Mal schaffte.

Wenn die Freunde dann schon was sagen, ist es wohl Zeit, sein Verhalten zu reflektieren.

Für den Januar hat mir das sehr geholfen. Nach einer kurzen Phase der Unsicherheit war ich wieder auf dem Dampfer. Warum unsicher? Plötzlich stellte da jemand meinen Lebensinhalt in Frage, alles, was ich in den letzten Monaten mit Disziplin und Willensstärke erreicht hatte, worauf ich stolz war. Ich wusste plötzlich nicht mehr, ob ich aus Trotz einfach genauso stur weitermachen sollte, oder aus Trotz jetzt anfangen sollte, wieder Fast Food und Schokolade in mich hinein zu stopfen und alles fahren zu lassen, was ich mir erarbeitet hatte.

Ich sagte es bereits: Extreme.

Mein Extrem Ernährung habe ich nun auf jeden Fall wieder besser im Griff. Manchmal ist es gut, von außen aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden. Mal die Balance zu verlieren, schadet nicht, solange man es merkt. Oder man darauf aufmerksam gemacht wird. Und ich bin dankbar, dass ich Freunde habe, die mich anstubsen. Denen meine Balance auch wichtig ist. Weil ausgeglichene Freunde eben doch die angenehmeren sind.

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Freizeitstress oder Ausschlafen. Ab wann verpasst man was?

Eine andere Balance ist die von Work und Life. Mit meiner 35-Stunden-Woche habe ich es da schon ziemlich gut getroffen. Besser als andere. Denn ich habe mehr Zeit für mein Life. Eigentlich. Und dennoch bewege ich mich im selben Hamsterrad wie alle anderen in meinem engeren Umfeld, die wie ich im letzten Jahr zu arbeiten begonnen haben.

Mein Privatleben verlagerte sich anfangs enorm auf die Wochenenden. Wobei Freitagabend tabu war, denn da war ich zu erschöpft von der Woche. Ein Wochenende aber, das am Samstag und Sonntag mit Terminen aufwartete, führte oft dazu, dass ich zwar glücklich und beseelt, aber auch müde in die neue Woche startete.

Im Dezember gipfelte dieses Verhalten im alljährlichen (Vor-)Weihnachtsstress, währenddessen ich beschloss, in 2016 kein Wochenende mehr komplett vollzustopfen. Einer der beiden Tage – also entweder der Samstag oder der Sonntag – sollte ab jetzt immer frei bleiben. Dann lieber mehr me-time und weniger Freizeitstress.

Im Januar schaffte ich das sogar besser als gedacht. Es war immer nur ein Tag verplant. Da dann noch unerwartet Absagen dazu kamen, hatte ich plötzlich sogar ganz freie Wochenenden, die ich schamlos genoss. Da merkte ich, was ich die letzten Monate verpasst hatte. Es war gar nicht das soziale, trubelige Leben, das ich verpasst hatte bzw. hätte verpassen können. Ich hatte diese Ruhe verpasst, das In-den-Tag-Hineinleben oder die Zeit, einfach mal ein ganzes Wochenende mit der Lieblingsserie zu verbringen. Jetzt bin ich erholt und starte mit neuer Energie und einer neuen Balance in 2016. Mit nur halbvollen Wochenenden.

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Bloggen oder Relaxen. Wann wird ein Hobby zur Last?

Ich schrieb es bereits in der Einleitung: Immer wieder sonntags. Und während ich das hier tippe, blicke ich skeptisch auf die Uhr – es ist Sonntag, 21:53 Uhr, kurz vor „Abgabe“. Denn dieser Beitrag von heute hat eine Deadline: 15. Februar.

Moment.

Deadline?

Ich arbeite in einem Beruf, der von mir genau das verlangt: Texte vom Fließband, die trotzdem nach Liebe klingen. Mit Deadline. Mehrere pro Monat. Plus andere Projekte, die in der Regel eng mit eben diesen Texten verzahnt sind. Weil sie entweder die Texte ergänzen. Oder weil sich die Texte direkt nur um diese Projekte drehen.

Ich schreibe beruflich. Unter Druck. Und genau das wollte ich für mein Hobby nie. Deshalb habe ich damals nach der Schule gesagt „Ich mache mein Hobby nicht zum Beruf“. Nun ist es ja aber auch so, dass man beruflich das machen soll, was einem Spaß macht. Also bin ich doch beim Schreiben gelandet. Was mich freut. Denn ich mache das gerne.

Nur bedeutet das auch, dass ich manchmal eben nicht auch noch am Sonntag vor meinem Computer sitzen und Texte schreiben möchte. Manchmal ist der Flow auch nicht da. Und manchmal kriege ich dann ein schlechtes Gewissen, wenn ich denke, dass ich schon wieder nur einen Artikel für die kommende Woche fertig habe. Oder dass ich schon wieder nicht alle Kommentare und Mails beantwortet habe. Oder dass ich eigentlich ein neues Layout basteln wollte und wieder nicht dazu gekommen bin. Oder weil ich einfach das ganze Wochenende unterwegs war – mit Freunden oder Familie – und deshalb das Bloggen hinten anstehen musste.

Dabei ist mein Blog „nur“ ein Hobby. Und zwar das, das am meisten einstecken muss. Ja, ich kümmere mich zu wenig um dieses Baby. Ja, das tut mir Leid. Und ja, ich wünschte, ich würde mir mehr Zeit nehmen.

Aber mein Tag hat eben auch nur 24 Stunden und meine Prioritäten haben sich verschoben. Dazu gehört auch, die Dinge manchmal einfach sein zu lassen. Vielleicht nehme ich mir mal eine Woche Blog-Urlaub und dann arbeite ich meine 7 Stunden nicht im Büro, sondern am Blog. Denn der Sonntag gibt das einfach nicht immer her. Das soll keine Entschuldigung sein. Aber es ist eine Einsicht. Eine Einsicht, die auch mit zu meiner neuen Balance 2016 gehört.

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Ich muss nicht alles machen. Nicht gleichzeitig. Alles hat seine Zeit.

Unterschrift1Liebe Tanja,
vielen Dank für den Aufruf zu dieser Blogparade! Vielen Dank für die Chance, diese Gedanken zu verschriftlichen und daraus sogar noch ein gutes Vorhaben für die kommenden Monate zu machen!

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4 Antworten zu [Blogparade] Ganz oder gar nicht

  1. Simone schreibt:

    Liebe Julia,

    das kommt mir alles sehr bekannt vor.

    Das Vorhaben, mindestens 1 Tag am Wochenende frei zu lassen, versuchen mein Mann und ich auch zu verwirklichen. Das klappt nicht immer, denn manchmal ist man auch ein ganzes Wochenende unterwegs, aber es hilft, mit diesem Argument auch einfach mal abzusagen und ein Treffen auf ein anderes Wochenende zu schieben.

    Und auch bei mir ist Schreiben Beruf und Hobby gleichermaßen, auch wenn das Hobby Briefspiel statt Blog ist, aber ich kenne diesen inneren Widerspruch, im Hobby keinen Leistungsdruck zu wollen, ihn sich aber doch zu machen. Dir wünsche ich ein ausgeglichenes Jahr 2016! Und mir auch ;)

    Liebe Grüße,
    Simone

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    • Julia schreibt:

      Hallo liebe Simone,

      ja, genau, dieses Absage-Argument ist, glaube ich, mit der wichtigste (aber auch am schwersten umsetzbare) Aspekt! Aber es hilft wirklich. Und dann ist es ja auch vollkommen ok, mal ein ganzes WE unterwegs zu sein. Das gibt einem ja auch neue Energie – auf eine andere Weise ;)

      Ui, was ist denn Briefspiel? Das klingt ja witzig!

      Danke für deinen lieben Kommentar und deine Wünsche! Die gebe ich gerne an dich zurück! =)

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  2. Vanessa schreibt:

    Hallo Julia,
    ich gratuliere dir zu deiner neuen Balance im Jahr 2016 und deinen freien Wochenenden. Ich wünschte, es wäre immer so einfach sich einen Tag komplett frei zu nehmen, aber bei mir ist das im Moment auch einfach aufgrund des disjährigen Abiturs gar nicht drin. Ich freue mich, wenn dieser Stress ein Ende hat und bin schon froh, wenn ich mal ein paar Stunden oder dann auch vor allem die Abende zum Entspannen Zeit finde. Serie gucken, laufen gehen. Kopf frei kriegen und dennoch viel zu oft daran denken, was man hätte in dieser Zeit alles schaffen können. Ich plane meine Tage und erstelle To-Do-Listen mit genauen Uhrzeiten und Pausen um die Zeit, die der Tag bietet, voll auszukosten. Andere gucken mich komisch an, wegen meiner Planung, aber für mich funktioniert es nun mal, auch mal um 7 Uhr mit den Lernen anzufangen, obwohl ich erst zur dritten Stunde in die Schule muss. Das stresst, aber es wird schon gehen. Ein paar Monate durchbeißen und dann hoffentlich im Abi einigermaßen alles gut bestehen :-) Heute habe ich seit Ewigkeiten endlich mal wieder ausgeschlafen, tat auch ganz gut.
    Ich faste momentan auf Süßigkeiten – und dazu gehören auch Chips :D – bis Ostern dann. Läuft gut. Ich setze mir gerne Ziele.
    Ich habe deinen Beitrag mit Freude gelesen. Es freut mich, dass du deine Balance gefunden hast. Dass du Prioritäten setzt. Ein bisschen wie ich, da du ja dann doch denkst, du müsstest an der ein oder anderen Stelle noch mehr geben als du es momentan tust. Aber manchmal geht das nicht und es muss auch nicht.
    Liebe Grüße, Vanessa :-)

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