[Blogparade] Was wurde eigentlich aus…? Ein Post über gute Vorsätze und Selbstreflektion

Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit. Früher dachte ich, das sei ein Spruch, den sich ältere Menschen gebetsmühlenartig vorsagen, um zu entschuldigen, was sie alles (noch) nicht geschafft haben. Seit ich etwa 18 bin, weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn die Zeit fliegt. Spätestens seit ich im Berufsleben angekommen bin,  bin ich mir ganz sicher: Die Zeit rast. Den Satz „Dafür habe ich keine Zeit“ habe ich mich (nicht erst seitdem) schon viel zu häufig sagen hören.gute-vorsaetze-los

Dabei, und das ist einerseits das Paradoxe und andererseits das Schöne an unserer Welt, gilt gleichzeitig eine ganz andere Wahrheit:

Zeit hat man nicht, man nimmt sie sich.

Aber wofür?

Am Anfang eines Jahres nehmen sich viele Menschen eine Reihe von Dingen, seien es nun Aktivitäten, Routinen oder Einstellungen, vor, denen sie im kommenden Jahr mehr Zeit widmen wollen. Gute Vorsätze schimpft sich das dann und wird von genauso vielen Menschen belächelt wie durchgezogen. Doch ist es überhaupt möglich, seine guten Vorsätze und die damit verbundene Zeit in einen bestehenden Alltag zu integrieren? Wie sieht es mit der Motivation aus? Und wie sind Vorhaben, die vier Monate alt sind, mit der eigenen, persönlichen Entwicklung vereinbar, die unaufhaltsam – mal schneller, mal langsamer – geschieht? Verschieben sich dadurch Prioritäten? Werden gute Vorsätze zu bremsenden Klötzen am Bein? Zu überflüssigem Mehraufwand, der eher belastet als beflügelt?

Ich möchte es wissen!

Und rufe deshalb zur Blogparade „Was wurde eigentlich aus…?“ auf. Ich möchte von euch wissen, wie ihr im ersten Drittel das Jahres mit euren Vorsätzen umgegangen seid, was ihr erreicht, verschoben oder verworfen habt – und natürlich: wieso? Ich freue mich auf euren Beitrag bis zum 5. Juni 2016. Schickt mir euren Link per Mail oder in den Kommentaren. Ich mache dann unter diesem Artikel eine Linksammlung.

Euer Beitrag darf auch bereits im April verfasst worden sein. Wichtig ist dann aber, dass ihr für die Teilnahme zur Blogparade den Link zu diesem Artikel hier einbaut.

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Und natürlich gibt es auch meinen Rückblick:

Neues lernen

Bereits im Januar kaufte ich mir ein Buch mit dem bezeichnenden Namen „Die Kunst der schönen Buchstaben“. Ich wollte lernen, handschriftliche Kunstwerke zu erschaffen, geschwungene Bilder mit Aussage zu erstellen, ich wollte Kalligraphie können für beeindruckende  Einladungen und Geburtstagskarten. Das Buch steht im Regal neben einem Buch für Food Fotografie, dem „A Beautiful Mess“-Foto-Tipp-Buch und einem Buch über traditionelle Tattoo-Motive. Es macht sich sehr gut da, ist aber bisher nur Deko gewesen. Das wird jetzt anders, werde ich inbrünstig erklären. Und es wäre nur ein leerer Vorsatz, hätte ich nicht tatsächlich mit dem Lettering begonnen. Wobei das eher Zufall war.

Anfang April war ich beim BLOGST Barcamp in Köln. Dort bot Frau Hölle herself, wahrscheinlich DIE Lettering-Königin der deutschen Blogosphäre, einen Workshop zum Brush Lettering an. Natürlich musste ich dabei sein. Und es war so toll, so motivierend! Denn kaum hatte ich den richtigen Stift in der Hand und befolgte Frau Hölles Tipps, war ich selbst erstaunt, wie gut das funktionierte. Total angefixt letterte ich noch am selben Abend vier oder fünf Begriffe der #letterattackchallenge und war voll im Fieber. Das flachte zwar auch wieder ab, aber dank dieser anfänglichen Erfolgserlebnisse bin ich guter Dinge, das Lettering auch weiter zu machen. Einziges Manko: Über kurz oder lang müsste ich ein bisschen Geld für Stifte und geeignetes Papier in die Hand nehmen. Und da weiß ich noch nicht, ob ich das wirklich möchte. Aber üben kann ich ja mit den beiden Stiften, die ich beim Workshop bekommen habe.

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Um etwas Neues zu lernen, braucht man Geduld. Man braucht Zeit und Disziplin und Übung. Wie viel Zeit man braucht, hängt davon ab, wie viel Talent man mitbringt, wie schnell man lernt und was man erreichen will. Etwas Neues zu lernen, ist aber auch spannend und aufregend, und wer mit Neugier, Spaß und einer erhöhten Toleranz für Rückschläge heran geht, kann Großes erreichen.

Altes auffrischen

Während ich mein Bachelorstudium absolviert habe, habe ich nebenbei Englischkurse belegt. Ich wollte nicht, dass mein Schulenglisch durch konsequente Nichtbeachtung im Studium völlig einschläft. Als ich dann B2, C1 und einen Fachenglischkurs für Oecotrophologen erfolgreich abgeschlossen hatte, war meine Motivation, die Sprache weiter zu trainieren, auch in Anbetracht der Tatsache, dass man mittlerweile ja eh ständig mit ihr konfrontiert wird, verschwindend gering. Ich belegte also Russischkurse. Mit dieser Sprache wird man nun eher seltener konfrontiert und nach etwas mehr als einem Jahr Unterricht war auch nur ein ganz rudimentärer Grundstock gelegt. Gebraucht und genutzt habe ich meine Kenntnisse kaum. Das höchste der Gefühle waren ein paar Straßennamen in Riga.

Da ich Freundinnen mit russischen Wurzeln habe, wollte ich mich wieder mehr mit der Sprache beschäftigen. Hochmotiviert lud ich mir eine App runter, kaufte einen Vokabeltrainer und ein Buch zur Grammatik. Natürlich wollte ich auch die Schreibschrift üben und ein Kurzgeschichten-Buch auf Russisch lesen (es steht im selben Regal wie „Die Kunst der schönen Buchstaben“).

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Einige Wochen begleitete mich die App auf jeder Bahnfahrt und einige Vokabeln blieben sogar hängen: Erdbeere, Himbeere, Hund, Katze, Hut, Lampe… Da die App als kostenfreie Version aber in ihrem Umfang eingeschränkt ist, verlor ich die Lust daran, ständig dieselben Übungen zu machen.

Etwas Altes aufzufrischen braucht vielleicht sogar noch mehr Disziplin. Weil die Aufregung des Neuen fehlt. Weil man sich ja schon mal durch diese Anfänge gequält hat, bevor man überhaupt etwas kann. Die Frustrationsgrenze ist hier noch höher, weil man sich mit sich selbst vergleichen und die Fortschritte am eigenen, einst vorhanden gewesenen Wissen messen kann.

Bestehendes verbessern

Ich wollte feste Sportzeiten, einen Stundenplan quasi. Ich wollte eine Sportroutine entwickeln, die mir die tägliche Überlegung, welchen Sport ich heute machen soll, abnimmt. Und gleichzeitig wollte ich Abwechslung und habe mir dafür einige 30-Tage-Challenges vorgenommen, die mein reguläres Sportprogramm ergänzen sollten.

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Weil ich Pläne und Listen und vor allem das Abhaken ziemlich gut finde, war ein Plan schnell erstellt. Anfangs war ich mit der Planung meiner Sporteinheiten vielleicht ein bisschen sehr optimistisch. Mittlerweile habe ich eine gute Routine entwickelt, die fünf Einheiten pro Woche vorsieht. Eine sechste war anfangs optional noch mit drin, aber es kristallisierte sich bald heraus, dass das mit meiner sonstigen Freizeitgestaltung kollidierte. Mein Plan sieht daher zwei Tage in der Woche vor, an denen ich keinen Sport mache. Diese Abende nutze ich zum Essen gehen, Freunde treffen, Einkaufen oder Lebensmittel retten.

Vier Monate war ich jetzt sehr zufrieden mit meinem Sportpensum. Ich absolvierte die vorgenommene Butt-Challenge, die LBD-Challenge und die Arm-Challenge zog ich sogar zweimal durch. Mit einer abwechslungsreichen Kombi der insgesamt sieben Workouts aus dem 30 Day Shred und Ripped in 30 und meinen Sportkursen, die ich im Unisport unterrichte, füllte ich die Wochen.

Mittlerweile sind mir die Workouts ein bisschen zu langweilig und ich sehne mich nach einer neuen Herausforderung. Vier neue DVDs von Jillian habe ich mir gekauft. Die erste habe ich bisher nur sehr selten durchgesportelt – sie gefällt mir leider nicht so gut; die zweite wartet noch auf ihren Einsatz. Da es sich da nämlich wieder um ein 30-Tage-Programm handelt, will ich das in den vier Wochen Sommerpause absolvieren, in denen ich an der Uni keine Sportkurse geben werde. Davor werde ich ein Sechs-Wochen-Programm (die dritte DVD) testen. Und dann gibt es noch ein 7-Tage-Programm, das ich hoffentlich zwischendurch mal einschieben kann.

Für noch mehr Abwechslung soll spätestens danach der BBG (Bikini Body Guide) von Kayla Itsines sorgen. Die Übungen sind anspruchsvoll und vor allem für die fortgeschritteneren Workouts fehlt mir noch Equipment. Aber das wird. Mein Vorsatz, Bestehendes zu verbessern, wächst und gedeiht.

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Bestehendes zu verbessern gelingt insbesondere dann, wenn es sich um eine Aktivität handelt, die man gerne ausführt. Spaß erleichtert einfach jedes Vorhaben. Es fällt nicht schwer, es durchzuziehen und man bleibt gerne dran – egal, wie klein die Fortschritte sind.

Und die Balance?

In der letzten Zeit häufen sich Aussagen, dass ich zu durchgeplant sei. Diejenigen, die so etwas sagen, meinen nicht, dass ich zu viele Termine habe (das vielleicht auch). Sie meinen, dass ich zu viel zu weit im Voraus festlege.

Ich mache das, um mich zu entlasten. Eigentlich. Leider klappt das im Moment nicht in allen Bereichen so, wie ich mir das vorgestellt habe. Das betrifft vor allem mein Vorhaben, am Wochenende nur an einem Tag etwas zu unternehmen. Woran das liegt?

Ich kann wohl immer noch zu schlecht Nein sagen.

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Wenn eine Freundin, die ich lange nicht gesehen habe, mich nach einem Treffen am Sonntag fragt, obwohl ich am Samstag schon was vorhabe, dann sage ich meist nicht Nein. Schließlich habe ich sie lange nicht gesehen und wer weiß, wann der nächste Termin zustande kommt.

Oder eine Gruppe von Leuten versucht, einen gemeinsamen Termin zu finden. Es wird ein Samstag, obwohl ich sonntags schon zum Brunch verabredet bin. Ich will aber auch nicht diejenige sein, an der es scheitert. Und fehlen will ich auch nicht, schließlich möchte ich Zeit mit den Menschen verbringen. Gleichzeitig war ich auch öfter enttäuscht, nachdem ich mir extra Zeit eingeräumt hatte und die dann nicht so verlief, wie ich es mir erhofft oder vorgestellt hatte.

War ich im Februar bezüglich meiner Balance noch sehr zuversichtlich, haben die letzten beiden Monate gezeigt, dass das gar nicht so leicht zu bewerkstelligen ist. Und dass mir das Setzen von Prioritäten in der Freizeit schwerer fällt als im Beruf. Vielleicht, weil ich wirklich zu viel machen will. Zu viel auf einmal. Und natürlich alles perfekt. Weil man aber als berufstätiger Mensch nur einen begrenzten Zeitraum pro Tag bzw. pro Woche zur Verfügung hat, MUSS ja immer irgendetwas hinten über fallen. Meist sind es Schlaf oder mein Blog.

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Das ist blöd und das will ich ändern. Genau deshalb verlangen gute Vorsätze Reflektion – und das nicht erst nach einem Jahr. Jetzt, nachdem ein Drittel des Jahres rum ist, kann ich erkennen, woran ich noch nicht so intensiv gearbeitet habe. Und in welche Richtung ich meine Prioritäten verschieben will. Eine kleine Kurskorrektur, um nicht am Ende des Jahres feststellen zu müssen, dass es nicht zu meiner Zufriedenheit gelaufen ist. Deshalb möchte ich auch euch dazu anhalten, einmal kurz innezuhalten und die letzten vier Monate Revue passieren zu lassen.

Um die Balance zu halten, muss man lernen, auch mal Nein zu sagen. Das wirkt im ersten Augenblick vielleicht egoistisch. Aber gesunder und gesundheitsbezogener Egoismus ist in meinen Augen okay. Man tut schließlich was für sich selbst. Das sollte man sowieso viel öfter tun und die Erwartungen, die andere Leute haben, einfach mal nicht erfüllen.

Zu diesem Thema hat auch schon Alexandra geschrieben und erklärt, warum ein Nein zu bestimmten Dingen ein liebevolles Ja für sich selbst bedeutet. Und auch Bianca weiß, dass ein ständiges Ja-Sagen nicht funktionieren kann.

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Wie ist es euch ergangen? Konntet ihr vielleicht Stärken und Schwächen im Umgang mit geplanten Vorhaben entdecken? Erzählt es mir in der Blogparade oder in den Kommentaren!

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2 Antworten zu [Blogparade] Was wurde eigentlich aus…? Ein Post über gute Vorsätze und Selbstreflektion

  1. Bearnerdette schreibt:

    Kurz vor knapp noch mein Beitrag zur Blogparade:

    http://bearnerdette-unterwegs.blogspot.de/2016/06/blogparade-was-wurde-eigentlich-aus-die.html

    Viele Grüße
    Bearnerdette

    Gefällt mir

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