[Freitagsrezi] Diana Gabaldon: Die Highlander Saga

Angefixt von der Fernsehserie „Outlander“ habe ich begonnen, die mittlerweile acht Romane umfassende Highlander Saga von Diana Gabaldon zu lesen – und damit ziemlich pünktlich zum Erscheinen der neuen deutschen Übersetzung, die laut vieler Kritiken und Rezensionen erstmals den kompletten Text in all seinen Ausschmückungen und erzählerischen Ausschweifungen enthält. Ich kann die alten Versionen der Bücher nicht beurteilen, möchte aber jedem, der Freude daran hat, umfangreiche Roman-Reihen zu verfolgen, die Geschichte um Claire und Jamie ans Herz legen.

Mehr noch als die TV-Serie ist es eine absolute Frauen-Geschichte. Das ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Romane zum größten Teil aus der Ich-Perspektive der Protagonistin und Hauptrolle Claire erzählt werden.

Die Sprache ist entsprechend blumig und – wie oben schon gesagt – oft sehr reich ausgeschmückt. Die Sätze sind lang und voller Vergleiche, aber dennoch sehr gut zu lesen. Ich mag den Anspruch, den das Buch dabei an den Leser hat: Aufmerksam am Ball zu bleiben und wirklich Zeile für Zeile zu lesen, um neben der unglaublichen Geschichte auch wirklich alle Details, Namen und Anspielungen mitzubekommen.

Teil 1:  Feuer und Stein

Beinahe kommt es dem Leser vor, als würde er das Drehbuch der TV-Adaption lesen. Viele Dialoge sind wirklich Wort für Wort übernommen worden. Natürlich sind Kleinigkeiten anders, die aber – bis auf einen Satz – keine inhaltlichen oder gravierenden Änderungen nach sich ziehen.

Um den Inhalt nur kurz zu umreißen für all diejenigen, die nicht wissen, worum es in der Highlander Saga geht: Eine junge Frau, Claire, reist 1946 in Schottland zufällig und unfreiwillig in die Vergangenheit und landet im Jahr 1743. Sie wird von einer Bande schottischer Clansmitglieder aufgenommen, aber aufgrund ihrer Erscheinung, ihres Wissens und ihrer Sprache (sie ist Engländerin) eher skeptisch beäugt. Sie ist mehr Gefangene als Gast des Clans und versucht, sich eine Strategie zur Flucht – zurück in ihre eigene Zeit – zurechtzulegen und sich gleichzeitig in der neuen Umgebung zurecht zu finden. Es gelingt ihr so gut, dass sie eine ganze Weile bleibt. Denn wie das Leben so spielt, passiert so vieles, das Claire weder planen noch absehen konnte und die Geschichte entspinnt sich immer weiter und wird nicht nur zu einem umfangreichen Abenteuer, sondern auch zu einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte. Allein die macht schon unheimlich viel Spaß zu lesen – und hier merkt man den vortrefflichen Schreibstil der Autorin, die es schafft, den Leser ganz tief in Claires Gefühlswelt zu ziehen.

Aufgrund der zeitgemäßen Brutalität sind einige Szenen aber auch nichts für schwache Nerven, denn auch Blutiges und Widerwärtiges werden ebenso detailreich geschildert.

Wer etwas für Historienromane, Liebesgeschichten und Familiensagen übrig hat, liegt mit der Highlander Saga absolut richtig. Aber auch Abenteuer und Intrigen kommen nicht zu kurz und so sind die ineinander verwobenen Geschehnisse immer sehr intelligent ineinander verknotet. Das wird in den Folgeromanen umso deutlicher.

Teil 2: Die geliehene Zeit 

Der Titel könnte fast ein bisschen ironisch vom Leser aufgenommen werden, kommt es einem doch so vor, als würde sich die Geschichte die Zeit beim Leser leihen – und nie zurückgeben. Die Erzählung über die kriegerischen Verstrickungen der Schotten und Engländer im 18. Jahrhundert ziehen sich leider zwischenzeitlich wie Kaugummi. Da retten auch die netten Sexszenen nicht drüber hinweg.

Der zweite Band schließt direkt an den ersten an und greift den Erzählfaden wieder auf, der sich allerdings leider immer mehr verdichtet und einige Nebenstränge auslaufen lässt. Bekannte Charaktere verschwinden aus der Erzählung, die der Leser teilweise schmerzlich vermisst. Viele neue und gemeine Gegenspieler machen die Atmosphäre insgesamt feindlicher.

Schon häufiger habe ich gelesen, dass es sich bei Band 2 um den schwächsten Teil der Reihe handeln soll. Ich kann das nur bestätigen. Aber man muss ihn lesen, um dann mit Band 3 wieder volle Fahrt aufnehmen zu können.

Teil 3: Ferne Ufer 

Zum ersten Mal verwendet Gabaldon hier nicht mehr nur die Ich-Perspektive von Claire. Und auch wenn das vielleicht erst befremdlich wirkt und auch ein bisschen wie ein plumpes Hilfsmittel, so ist es doch die beste Wahl, um die Geschichte weiterzuerzählen.

Viele Rückblenden werden mit Hilfe eines personalen Erzählers wiedergegeben, wobei die Sicht der erzählenden Figur je nach Rückblende und Erinnerung variiert. So erhält die Geschichte viel mehr Facetten als nur durch Claires Beobachtungen möglich wären.

Die Story ist noch rasanter und vielseitiger als in Band 1 und spätestens ab der Hälfte überschlagen sich die Ereignisse. Wieder werden Figuren intelligent ins Zeitgeschehen eingeflochten und es macht richtig Spaß, die vielen neuen Abenteuer mit den beliebten und den neuen, liebgewonnenen Figuren zu erleben. Am Ende taumelt und strudelt man mit Claire durch ein paar sehr erschreckende Aha-Erlebnisse, einige wilde Naturgewalten und hat das Gefühl, immer tiefer in den Strudel hinabgezogen zu werden, bevor das Buch dann doch recht friedlich endet.

Teil 4: Der Ruf der Trommel 

Zwei Wochen nach den wirklich turbulenten Ereignissen aus Band 3 geht es weiter. Auch wenn immer noch ein Ereignis das nächste jagt, so geht es hier doch auch viel um zwischenmenschliche Beziehungen und das kann zwischendurch ein bisschen langatmig sein. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass „Ruf der Trommel“ noch länger ist als die Vorgänger. Außerdem habe ich das Gefühl, dass es ein Muster gibt: Während in Teil 1 und 3 extrem (!) viel passiert, muss in Teil 2 und 4 jeweils hinter all dem aufgeräumt werden – natürlich nicht, ohne selbst auch neue Handlungsstränge und Probleme aufzuwerfen. Und was da alles noch in Teil 4 kommt! Mann Mann Mann…. Damit hätte ich, als ich angefangen habe, die Reihe zu lesen, wirklich nicht gerechnet. Erst fand ich das nicht so toll, denn es bedeutet, dass sich die Handlung in großen Teilen gar nicht mehr mit Claire und Jamie beschäftigt, sondern mit einem weiteren Pärchen – Brianna und Roger –, mit denen ich mich nicht so richtig anfreunden kann, obwohl sie den Leser dank der neuen Erzählperspektive nun schon seit Band 3 begleiten und man auch mit ihnen schon wirklich viel erlebt hat.

Dennoch bleibt die Welt der Highlander Saga eine, in die man abtauchen kann, die den Leser mitreißt und die allein schon aufgrund der wirklich geschickten Erzählperspektiven und des sprachlichen Anspruchs großen Spaß beim Lesen macht. Und während ich mich jetzt auf die nächsten Bände freue, empfehle ich euch erst mal, überhaupt anzufangen. Oder habt ihr das etwa schon? Wie findet ihr die Saga? Und kennt ihr die dazugehörige TV-Serie „Outlander“? 

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