Ab ins GOP – und pack die Badehose ein!

„WET“ heißt das neue Programm im GOP Varieté Theater Bonn und ich habe lange überlegt, wie ich einen Artikel darüber schreibe, ohne zweideutige Formulierungen zu benutzen. Wer dieses hoch-ästhetische Werk bewundern durfte, weiß, dass man darum kaum herum kommt.

Schließlich liegt es nahe, bei einer Show mit dem Namen „WET“, bei der gefüllte Badewannen mehr als nur ein Requisit sind und das Bühnenbild einem überdimensionierten Badezimmer gleicht, auch mit der Nacktheit der Darsteller zu spielen, mit den ansonsten im Verborgenen – hinter geschlossenen Badezimmertüren – stattfindenden Routinen und Gedanken, die den nass glänzenden Körper in den Mittelpunkt stellen. Beinahe wird der Zuschauer zum Voyeur, aber die Augen abzuwenden ist einfach unmöglich.

Dabei schaffen es die Artisten, das Publikum weit über ihre perfekten Körper hinaus zu begeistern und in ihren Bann zu ziehen. Akrobatische Höchstleistungen auf nassen Wannenrändern und im auf die Bühne prasselnden Regenvorhang stellen atemberaubendes Können und die pure Ästhetik leidenschaftlich ausgelebter Körperkunst dar – nie platt oder erotisch, sondern elektrisierend und mit Gänsehautgarantie.

Verliebt habe ich mich in die atemberaubende Show von Handstandkünstler Anton Belyakov, die für mich das Highlight des Abends war. Nass bis auf die Knochen mit triefendem Haar und der Eleganz, die sonst nur Lebewesen mitbringen, deren natürlicher Lebensraum das Wasser ist, verzaubert Anton wahrscheinlich alle Frauen im Publikum – und die Männer gleich mit. Für die gibt es aber auch die geschickten Antipoden-Künstlerinnen Katalin Donnert (im Juli) und Ludmila  Nikolaeva (im August & September) sowie die unfassbar beweglichen Damen im Luftring, Lena Ries (Juli & August) und Mandi Orozco (September).

Die Gruppendynamik ist mitreißend, die Musik berührend und für jede Nummer so perfekt gewählt, dass sie mit den optischen Eindrücken verschmilzt zu einem harmonischen Ganzen, das jede Artistennummer zu einem Meisterwerk macht. Sie reicht von „Pack die Badehose ein“ im Stil einer mozartesken Ode bis hin zu Tarantino-Filmmusik, die Wechsel zwischen leisen Tönen und komischen Elementen ein stetiger Wellengang der Gefühle, die Mischung genau das, was das Varieté ausmacht.

Gesungen wird natürlich auch, denn wer macht das nicht unter der Dusche? Eine begnadete Sängerin, eine engelsgleiche Sirene, die über dem Bühnengeschehen thront, führt den Zuschauer durch verschiedene Epochen der Musikgeschichte, manchmal allein, manchmal begleitet von den Kunststücken der Artisten, die vor, in und auf Wannen jonglieren, sich räkeln oder ihr einfach nur gebannt lauschen. Ich durfte Jutta Koch hören, die im Wechsel mit Jennifer Lindshield auf der Bühne steht, und die ein herrlich witziges Duo mit dem Pausenclown Sebastian Matt abgibt, der schon durch seine vielfältige Mimik, aber auch durch seine sehr beweglichen Füße, das Publikum zum Lachen bringt.

Humorvoll ist auch die Jonglage von Adem Endris, während es dem Publikum erneut den Atem verschlägt, wenn Moritz Haase (und ab Mitte August Maxime Yelle) im Regen am Trapez eine ausdrucksstarke Darbietung voller Emotionen zeigt. Und auch der Strapaten-Künstler Daniel Stern verzaubert die Zuschauer, während er feucht über einer gefüllten Wanne schwebt.

Und während es auf der Bühne nass wird, wird es im Publikum feucht. Der Name ist Programm und so dürfen Zuschauer zwischen spritziger Erfrischung oder Ganzkörperkondom in Form eines Regenponchos wählen – zumindest in den ersten drei Reihen. Die Bühne wurde extra umgebaut und wasserdicht versiegelt, damit sie zum Spaßbad umfunktioniert und als Untergrund für ein Wischmopp-Ballett genutzt werden kann. Das GOP hätte sich keinen besseren Zeitpunkt für eine so wasserreiche Show einfallen lassen können als die heißen Sommermonate. Bis zum 10. September ist „WET“ in Bonn zu sehen und ich rate jedem, die Show zu erleben.

 

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