Grün, grün, grün ist alles, was ich esse 

Wenn du die Wahl zwischen einer roten und einer grünen Paprika hast, für welche entscheidest du dich?
Ich habe meine Freunde gefragt. Das haben sie geantwortet:

„Rot. Sie schmeckt weniger bitter und im Essen gibt es einen schöneren Farbklecks.“
„Rot schmeckt besser. Grün erinnert ja auch an Schimmel oder Übelkeit.“
„Für roh und im Salat: rot. Für kochen und als Beilage: egal. Grüne sind mir zu bitter, wenn sie roh sind. Also konkret: rot.“
„Grün.“
„Rot. Ist süßer und grün ist so unreif.“
„Rot ist ansprechender. Grün verbinde ich mit gesünder. Ich entscheide mich für ROT.“
„Rote Paprika sind süßer und bilden so zu den meisten Speisen interessantere Geschmackskombinationen (z.B. Gefüllte Paprika mit dem salzigen Hackfleisch).
„Eine rote Paprika bildet einen schöneren Kontrast zum grünen Stiel. Des Weiteren sind rot und grün ja auch Komplementärfarben.“

Das Ergebnis: Eindeutiger als ich es erwartet hatte. Ich gehöre also tatsächlich zur auffälligen Minderheit, die sich freiwillig für die grüne Variante entscheiden würde. Ebenso, wie ich Brokkoli Blumenkohl vorziehe und Kiwis esse, damit mein Frühstück grüner ist.

Warum?

Grünes Gemüse und seine Inhaltsstoffe 

Kaum Kalorien und Fett: Die meisten grünen Lebensmittel bestehen in erster Linie aus Wasser (die meisten Gemüsesorten eben). Das führt zu einem gleichzeitig extrem niedrigen Fett- und Kaloriengehalt. Hier kann man sich also satt essen (2). Ausnahme ist natürlich die Avocado. ;)

Hinzu kommen die Ballaststoffe:  Sie sind unverdauliche Füllstoffe. Die verhelfen nicht nur zu lang anhaltender Sättigung, sie sind auch noch gut für die Verdauung (2).

Vitamin A: Vor allem grünes Blattgemüse wie Spinat oder Mangold, aber auch Grünkohl punkten hier mit hohen Gehalten. Dabei ist häufig die Vorstufe des Vitamins vorhanden – das Beta-Carotin. Es kann im Körper in Vitamin A umgewandelt werden und das wiederum ist wichtig für die Sehkraft sowie gesunde Haut und Schleimhäute (1,2).

Vitamin C: Da wären wir dann auch wieder bei der Paprika. Die ist nämlich einer der besten Lieferanten für das Vitamin, das für die Immunabwehr unentbehrlich ist (1).

Folsäure: Nicht nur, aber insbesondere, für Schwangere interessant (und davon habe ich gerade einige im Freundeskreis ;) ) (1). Das Vitamin (Vitamin B9) ist wesentlich an Wachstumsvorgängen beteiligt und verdankt den grünen Blättern sogar den Namen Folsäure (lateinisch: folium = Blatt).

Magnesium: Schützt in gewissem Maße gegen Wadenkrämpfe. Es ist ein Bestandteil der Reizleitung (also der Reizübertragung zwischen den Nerven und den Muskeln) und damit an jeder Bewegung beteiligt (1).

Eisen: Die eisenreichsten grünen Blätter bietet der Feldsalat. Überhaupt enthält grünes Gemüse viel Eisen, sodass es gerade für Vegetarier interessant ist. Normalerweise sagt man, sollte man darauf achten, es mit Vitamin C-reichen Lebensmitteln zu verzehren, denn dann wird das pflanzliche Eisen besser vom menschlichen Körper aufgenommen. Gerade grünes Gemüse besitzt allerdings selber so viel Vitamin C, dass hier das allseits empfohlene Glas O-Saft nicht notwendig ist.

Calcium: Wer seinen Calciumbedarf nicht über Milchprodukte decken möchte, sollte eine Extraportion Brokkoli in den Speiseplan einbauen.

Senföle: Schön scharf! Die töten sogar Keime ab und helfen gegen Erkältungen. Ein Vertreter ist mit besonders viel davon ist Pak Choi (2).

Antioxidanzien: Die sekundären Pflanzenstoffe werden eingehend untersucht, vielen davon werden positive oder gesundheitsförderliche Eigenschaften zugeschrieben. Manche sollen sogar vor Krebs schützen können. Allerdings: nur, wenn es sich um Antioxidanzien aus frischen Lebensmitteln handelt (1)!

Weitere sekundäre Pflanzenstoffe: Sie können die Verdauung ankurbeln, entzündungshemmend wirken oder das Hautbild verfeinern. Brunnenkresse ist hier ganz weit oben zu nennen.2 Die Bitterstoffe regen zudem den Stoffwechsel an, wirken entwässernd und zum Teil auch entzündungshemmend (2,4).

Basische Ernährung: Wer darauf achtet, sich eher basisch zu ernähren, kommt an grünem Gemüse nicht vorbei. Spinat und Petersilie sind da Spitzenreiter, es folgen Fenchel, Rosenkohl, Grünkohl, Rucola, Kohlrabi, Feldsalat, Kopfsalat, grüne Bohnen, Kiwi, Basilikum, Schnittlauch. (1)

Chlorophyll – der grüne Farbstoff

Ohne das Grün der Pflanzen hätten wir keine Luft zum Atmen – das klingt vielleicht überspitzt, ist aber wahr. Denn Chlorophyll sorgt nicht nur für die grüne Farbe der Blätter, es ist auch an der Photosynthese beteiligt – diesem Prozess im Blatt, bei dem ganz nebenbei Sauerstoff entsteht (3).

Und da Chlorophyll natürlicherweise in grünen Lebensmitteln vorkommt, essen wir den kleinen Superstoff auch regelmäßig  –  vorausgesetzt, ihr gehört zur Fraktion „grüne Paprika“. ;) Und das solltet ihr, denn der sekundäre Pflanzenstoff kann nicht vom menschlichen Körper selbst gebildet werden (5). Und auch wenn er im menschlichen Körper in keinen lebenswichtigen Prozess eingebunden ist, kann er einiges (6):

Chlorophyll ist in seiner chemischen Struktur dem roten Blutfarbstoff, dem Hämoglobin, sehr ähnlich. Der einzige Unterschied: Wo beim Hämoglobin ein Eisen-Molekül sitzt, besitzt Chlorophyll Magnesium. Aufgrund der hohen Ähnlichkeit kann Chlorophyll den Sauerstofftransport im Blut unterstützen und zur Blutbildung beitragen (7).

In Tierversuchen wurde außerdem festgestellt, dass Chlorophyll antikanzerogen wirkt, also der Tumorbildung vorbeugt. Außerdem schützt es die übrigen Körperzellen während einer Chemotherapie (6). Für den Menschen sind viele vermutete, positive Wirkungen bisher aber nicht belegt. Von Nahrungsergänzung mit Chlorophyll kann man daher getrost Abstand nehmen, denn eine Portion Spinat enthält genauso viel wie eine durchschnittliche Chlorophyll-Tablette – und das bei gleichzeitig hohem Gehalt der oben genannten Vitamine und Mineralstoffe (6).

Übrigens: Je dunkler und intensiver das Grün von Obst oder Gemüse, desto mehr Chlorophyll steckt drin (7).

Schöne Ideen, wie ihr mehr grünes Gemüse in euren Essensalltag einbauen könnt, gibt es hier.

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Quellen

1) eat  healthy, Oktober/November 2016, S. 76f., 86f., 95
2) EatSmarter Nr. 6/2017, S.20ff
3) ErnährungsUmschau Nr. 3/2015,  Seite M160 bis M162
4) Fit und gesund
5) UGB 
6) BZfE 
7) Fit for fun

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