Hey Social Media – ich bin mal kurz weg.

Meine echten, „reallife“ Freunde verstehen Social Media nicht. In den letzten Jahren hat mich das oft geärgert. Heute bin ich froh. Social Media ist zum Job geworden. Zu Arbeit. Zu Arbeit, die mir irgendwie nicht mehr gehört, weil ich mich auf Plattformen tummle, deren Algorithmen ich nicht verstehe und nicht beeinflussen kann, denen ich mich vielmehr unterwerfen muss. Heute keine Story gepostet? Morgen weniger Likes. Meine Follower-Entwicklung ist ein Zwei-Schritte-vor-ein-Schritt-zurück-Modell. Ich will nicht jeden Tag überdenken, welcher Inhalt nun gerade zu dieser oder jener Uhrzeit möglichst gut ausgespielt, mit möglichst hoher Reichweite gesegnet und dann auch noch mit möglichst vielen Herzchen, Daumen oder anderen Gefällt-mir-Bekundungen versehen wird.  

Social Media fühlt sich manchmal an wie eine Versklavung meiner Kreativität. Ich wollte nie Influencer sein, um möglichst viele Menschen zu beeinflussen. Ich will Mehrwert bieten. Ich will etwas erschaffen.

Wie viel ist kostenfreier Inhalt wert? 

Aber ich muss dir etwas verraten: Fundierten, recherchierten Mehrwert zu liefern, ist harte Arbeit. Arbeit, die bezahlt werden muss. Im Moment bezahle ich sie mit meiner Zeit. Mein Wissen und meine Schreibe sind aber mehr wert als ein Herz auf Instagram. Klar: Bloggen ist ein bisschen egoistisch und vielleicht auch ein bisschen altruistisch. Weil man all seine Erfahrungen so unbedingt an jeden rausposaunt, unbedingt weitergeben will, unbedingt gehört werden will. Aber sind wir mal ehrlich – und hier zitiere ich nur zu gern Bianca Jankovska: „’15 Dinge, die du vor einer Weltreise wissen solltest‘ – dieser Artikel könnte mittlerweile auf jedem beliebigen Portal stehen. Genau hier, nicht bei der Frage der inhaltlichen Notwendigkeit eines solchen Textes, setzt die Kritik an. Imitation, sagt Jarren genauso wie schon Pablo Boczkowski (2010) ‚minimiert die Risiken in der publizistischen Produktion.‘ Aus Angst, Einmaliges und Neues zu schaffen, wird lieber das kopiert, was am Vortag schon bei den (amerikanischen) Kollegen ‚funktioniert hat‘.“

Die Währung: Likes und Shares. Und so habe auch ich mich ertappt. Bei der Herzchen-Heischerei, der meine Inhalte ein wenig zum Opfer gefallen sind. Alles irgendwie schon mal gesehen, alles irgendwie schon mal dagewesen. Alles irgendwie langweilig. Deshalb möchte ich Lila Lummerland verändern. Denn ich denke, neben den einfach funktionierenden, leichten Inhalten hätte ich mehr zu bieten. Auch mehr Expertise, wenn du die lesen willst. Mehr Meinung, wenn du die hören willst.

Wie viel ist also kostenfreier Inhalt wert? Von Likes und Shares kann ich weder mein Essen bezahlen, das ich so sehr liebe, noch meine Wohnung oder die Fahrradreparatur. Ist dieser Content vielleicht von vornherein mit der heißen Nadel gestrickt, um den heißen Scheiß von heute auf jeden Fall noch heiß zu servieren – Hauptsache, er funktioniert? Und wenn du ihn eh überall so oder so ähnlich lesen kannst, wie einmalig, originell und wertvoll ist er dann? Kommst du für den aufgewärmten Scheiß hierher – oder warum liest du mit?

Zeit ist Geld 

Ich mache deshalb nicht Schluss mit all den netten Social Media Kanälen. Dafür mag ich sie zu sehr, die Zerstreuung, die schönen und witzigen Beiträge, das Teilhaben an den freudigen Momenten anderer, die ich zum Teil sogar persönlich kenne. Aber ich lege eine Pause ein. Weil Social Media auch Zeit frisst. Und ausgerechnet Zeit habe ich gerade nicht genug. Es gibt da Projekte, die gerade mehr Aufmerksamkeit benötigen. Und: „Wer ständig Feeds checkt, wird abgelenkt und kommt danach schwerer wieder ‚rein‘, ins Schreiben,“ schreibt auch Bianca Jankovska hier. Dieser mutigen Frau folge ich seit einer Weile und sie inspiriert mich dazu, endlich die Dinge in Angriff zu nehmen, die ich wirklich (!) will. Und davon gibt es ein paar. Alle werde ich nur mit mehr Zeit, die ich eben nicht in Social Media investiere, umsetzen können. Einige sogar nur dann, wenn ich ein bisschen Unterstützung erhalte. Und vielleicht nutze ich dann sogar wieder die Möglichkeiten, die das Internet mir bietet. Schon mal über Crowdfunding nachgedacht? Oder über ein Steady-Abo?

Es wird hier Veränderungen geben. Stay tuned!  

Credits:
Dieser Beitrag wurde schwer inspiriert von @groschenphilosophin.

2 Gedanken zu “Hey Social Media – ich bin mal kurz weg.

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