#bzfe18 – Wer sind die wahren Food-Influencer?

Wer das Internet nach Abnehmtipps, Rezepten oder Foodtrends durchforstet, kommt nicht dran vorbei: Auf unzähligen Blogs (wie auch hier bei mir) werden Empfehlungen kundgetan, Erfahrungen weitergegeben, Dogmen befohlen, gefährliche Halbwahrheiten propagiert. Denn nur, weil man einen Foodblog führt, heißt das noch lange nicht, dass man Ernährungsexperte ist.

Graphic Recording by Susanne Ferrari

Zugegeben: Experten im Essen und Trinken sind wir alle – denn wir alle wissen nicht nur, wie das geht, wir machen es auch ständig. Jeden Tag. Mehrmals. Aber ganz offensichtlich fehlt da ein Fünkchen Wissen – oder warum sonst haben wir so viele Zivilisationskrankheiten, die sich (auch) auf eine unausgewogene Lebensmittelauswahl zurückführen lassen? Irgendwo auf dem Weg zwischen dem Hirn und der Hand, die das Essen zum Mund führt, geht die Kompetenz verloren, die richtige Entscheidung zu treffen.

Und dann kommen Doktor Google und diese Blogosphäre ins Spiel.

Ernährungskommunikation goes digital

„Denn das Internet und die sozialen Medien spielen heute eine nie da gewesene Rolle, um sich über Essen und Trinken zu informieren oder eigene Botschaften und Meinungen dazu in die Welt zu schicken. Nicht immer sind solche Aussagen seriös“ heißt es dann auch im Rückblick des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) auf das zuletzt in Bonn veranstaltete BZFE-Forum unter dem Motto „Ich kann. Ich will. Ich werde.“*

Weiter führt Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Gunter Hirschfelder seine Gedanken auch in einem aktuellen Artikel mit dem Titel „Wege aus der Digitalisierungsfalle“ aus: „an die Stelle vertrauenswürdiger Institutionen sind nun Akteure gerückt, die ihr oftmals ideologisiertes Wissen über netzbasierte, nichtlineare Kanäle verbreiten.“  „Institutionengesteuerte Ernährungsinformation hat ihren Anspruch auf Deutungshoheit eingebüßt.“

Im Publikum viel zustimmendes Nicken zu diesen Beobachtungen. Viele Ernährungsfachkräfte fühlen sich anscheinend  abgehängt von der digitalisierten Ernährungskommunikation.

Und klar: Solange unsere fachliche Kompetenz zurückstecken muss hinter dem verqueren Zuckerbashing einer Bibi, ist dieses Gefühl berechtigt.

Aber geht es dir auch so:

Ich hör nur „Mimimi…“

Als bloggende Oecotrophologin fühle ich mich hier in der Verantwortung. In zweierlei Hinsicht:

  1. Um für mich einzustehen und zu sagen: Ja, ich bin Fachkraft, und ja, ich kann hier Empfehlungen aussprechen, wenn ich das möchte. Ich kann fachlich richtige Informationen verbreiten und damit ein Publikum erreichen. Eine individuelle Beratung kann natürlich kein Blogbeitrag der Welt ersetzen, wenn es das ist, was du brauchst.
  2. Um denen, die sich über „diese bösen Influencer“ ärgern, zu zeigen: Es gibt Influencer in euren eigenen Reihen. Warum nutzt ihr sie nicht? Bloggende Oecotrophologen, die etwas zu sagen haben, gibt es doch einige. Sie sind – wir sind – die perfekten Multiplikatoren für die gemeinsame Sache, um vom Wissen ins Handeln zu kommen. Statt zu jammern also einfach mal machen, denn „machen ist wie wollen – nur krasser“.

Wir sind doch keine Zuschauer in „diesem Internet“. Wir sind selbst Gestalter, Autoren, Wissensvermittler. Nehmt es in die Hand – all ihr Ernährungsfachkräfte.

Bettina Halbach hat das in einem Interview schön formuliert: „Würde es die jungen Foodblogger nicht geben, was wäre unser Antrieb? Von ihnen können wir (noch) behäbigeren Experten lernen, was wir besser anders oder genauso machen wollen. Und umgekehrt, die Foodblogger können von uns viel über gesunde Ernährung lernen. Ich würde auch nicht unbedingt von „durchsetzen gegen“ sprechen. Mir würde es eher um ein Miteinander gehen.“

Ja, Ernährungsbildung ist wichtig. Ernährungskommunikation ist der Schlüssel. Aber auf Augenhöhe: „Die Zeit der Schautafeln und Ernährungskreise ist vorbei. Wir müssen zielgruppengerechten Content produzieren, mit dem wir zum Beispiel Jugendliche besser erreichen,“ so Hirschfelder abschließend in seinem Vortrag beim BZfE-Forum. Das können wir – gemeinsam.

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Weitere Bloggerinnen, die auch über das BZfE-Forum berichtet haben:

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*Am 27. September 2018 richtete das Bundeszentrum für Ernährung unter dem Motto „Ich kann. Ich will. Ich werde.“ das zweite BZfE-Forum im Rahmen der Bonner Ernährungstage aus.

 

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