[Blogparade] Mehr Motivation dank Fitnesstracker?

Gefühlt trägt heute jeder einen Fitnesstracker am Handgelenk, der Puls, Aktivität und Schlaf aufzeichnet. Gemäßigtere Zeitgenossen besitzen vielleicht „nur“ einen Schrittzähler auf ihrem Handy, doch auch sie feiern sich, wenn die magischen 10.000 Schritte am Tag erreicht wurden.

Sind Fitnesstracker Fluch oder Segen? Sind sie Motivation oder Ausdruck der ständig stärker hervortretenden Selbstoptimierungsversuche? Andreas von SportuhrenGuru möchte mit seiner aktuellen Blogparade genau diesen Fragen auf den Grund gehen. Passend dazu möchte ich euch ein bisschen etwas über meine Erfahrungen mit dem Fitnesstracker FitBit Charge erzählen.

Funktionsumfang FitBit Charge

Die FitBit Charge ist ein Armband mit eingebautem Pulsmesser und Schrittzähler. Auf dem kleinen Display kann man sich neben der Uhrzeit zu jeder Zeit die zurückgelegten Schritte und Kilometer des Tages, die verbrannten Kalorien, die gestiegenen Etagen und den aktuellen Puls anzeigen lassen. In einer daran angeschlossenen App lassen sich die gemessenen Werte zu jeder Uhrzeit zurückverfolgen.

Außerdem gibt es eine Trainings-Funktion, bei der man durch Drücken eines Knopfs am Armband dem Tracker zu verstehen gibt, dass ab jetzt trainiert wird. Am Ende des Workouts wird die Aufzeichnung ebenfalls durch Drücken des Knopfes beendet. So kann man gezielt sein Training auswerten lassen.

Aber selbst wenn man das nicht macht, erkennt der Tracker einige Aktivitäten von alleine. In den Einstellungen kann man eine Zeitangabe einstellen, aber der der Tracker die Aktivität als solche aufzeichnet, zum Beispiel „Gehen“ oder „Fahrradfahren“. Ich habe standardmäßig 15 Minuten eingestellt, d.h. wenn ich mehr als 15 Minuten am Stück gehe, zeichnet der Tracker diese Zeit inkl. Puls und Kalorienverbrauch als separaten Aktivitätspunkt in der App auf, sodass ich die Auswirkung jedes Spaziergangs auf meine täglichen Werte genau einsehen kann.

Alle Aktivitäten werden aufgrund des gemessenen Pulses bewertet. Daraus und aus den eingegeben Werten zum Körper wird der Kalorienverbrauch errechnet. Sporteinheiten werden zusätzlich in Fettverbrennungs- und Cardio-Training unterschieden – abhängig vom Puls.

On top kann man auch noch seinen Schlaf aufzeichnen lassen und erfährt, wie oft man in der Nacht unruhig war, wie oft wach und wie lange man durchgeschlafen hat.

Fitnesstracker: Nur für die Fitnesseinheit oder auch für den Alltag?

Ich bekam den Fitnesstracker geschenkt, denn ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir wahrscheinlich selber keinen gekauft hätte. Ich war zwar interessiert, denn mein sportlicher Ehrgeiz bringt das wohl mit, mich für noch mehr Details rund um meine Trainings zu interessieren. Doch ich war auch skeptisch – bin es sogar immer noch, obwohl ich den Tracker nun schon seit gut drei Monaten trage.

Anfangs habe ich lediglich meine Workouts damit aufgezeichnet, um Kalorienverbrauch und Puls anzusehen, aber dann war ich doch neugierig: Wie viele Schritte schaffe ich an einem normalen Tag im Büro? Knacke ich die Marke der empfohlenen 10.000 für einen bewegten Alltag? Schließlich bin ich davon überzeugt, dass genügend Bewegung jeden Tag deutlich effektiver ist als ein hartes Workout in der Woche. Oder auch zwei. Deshalb integriere ich jeden Mittag einen kleinen Spaziergang in meine Mittagspause und freue mich über die rund 2.000 Schritte, die ich damit jeden Tag gewinne.

Gerade im Alltag ertappe ich mich, seit ich den Tracker besitze, häufiger dabei, bessere Entscheidungen zu treffen: Ich bin noch nicht bei meinem täglichen Etagenziel angelangt? Dann nehme ich wohl lieber die Treppe von der U-Bahn nach oben (und nicht die Rolltreppe). Ich habe erst 5.000 Schritte? Dann gehe ich lieber zu Fuß noch eine Erledigung machen als mit dem Fahrrad, denn das Radfahren wird aufgrund meines dabei recht niedrigen Pulses nicht als Aktivität wahrgenommen.

Tracking: Motivation oder Selbstoptimierung?

Für mich ist die Antwort ganz klar: Motivation! Neben den Alltagserfahrungen ist es einfach auch motivierend, sich vor Augen zu führen, was man bei einem Workout geschafft hat. Besonders freut mich immer ein Training, das im Modus „Fettverbrennung“ aufgezeichnet wird. Außerdem kann ich meine Entwicklung ablesen, wenn ich mehrfach dasselbe Workout tracke: Verbrenne ich mehr Kalorien, steigt mein Puls nicht mehr so stark an? Jede „Verbesserung“ motiviert mich, treibt mich an. Was ich aber gar nicht habe: „Schlechte“ Werte können mir überhaupt nichts anhaben.

Manch einer kennt es vielleicht von der Waage – einmal draufgestiegen, Tag versaut. Ich muss zugeben, dass ich mich davon auch beeinflussen lasse, weshalb ich das mit dem Wiegen einfach nicht mehr mache. Beim Fitnesstracker hingegen stellt sich dieses Downer-Gefühl nie ein. Da bin ich ganz gelassen und vertraue auf mein Körpergefühl statt auf eine Zahl auf einem Display.

Warum ein Fitnesstracker für mich also kein Werkzeug zur Selbstoptimierung darstellt und darstellen kann?

1. Ungenauigkeit
Beim Einrichten des Trackers werden einige Parameter abgefragt, um die Messung der Werte genauer zu gestalten. Dazu gehören zum Beispiel Gewicht und Körpergröße. Nun habe ich mich das letzte Mal vor acht Monaten gewogen und konnte somit nur einen geschätzten Wert eintragen. Dazu kommt, dass das Programm ja gar nicht weiß, wie mein Körper zusammengesetzt ist – wie viel Muskelmasse ich besitze und wie viel Fett. Denn das entscheidet ja mit darüber, wie viele Kalorien ich verbrenne.

Da muss ich sagen, dass ich dem Tracker meist nicht glaube und ihm unterstelle, dass er mir einen zu geringen Kalorienverbrauch andichtet. Denn wenn ich wirklich an manchen Tagen, zum Beispiel, wenn ich keinen Sport mache, unter 2.000 kcal bleibe, müsste ich auf die Dauer zunehmen, denn ich nehme über die Nahrung garantiert jeden Tag mindestens 2.000 kcal zu mir.

Für mich sind daher alle Werte, die nicht die reine Schrittzahl oder den Puls betreffen, reine Richtwerte. Solange ich denselben Tracker verwende, sind sie unter sich vergleichbar und das reicht eigentlich schon, um seine Aktivität zu tracken.

2. Pausen
Ich trage den Tracker nicht jeden Tag. Das hat zwei Gründe:

Erstens ist er einfach nicht stylisch. Wenn man sich etwas hübsches angezogen hat zu einem netten Anlass, passt die FitBit Charge einfach nicht zum Outfit und wirkt absolut deplatziert. Da mir das Tracking dann weniger wichtig ist als mein Wohlfühloutfit, kann ich schon gar nicht 100 Prozent meiner Zeit tracken.

Der zweite Grund ist meine empfindliche Haut. Das Armband ist aus Plastik und damit waschbar. Dennoch schwitzt man unter einem Plastikarmband, was der Haut natürlich nicht dauerhaft gut tut. Selbst der Hersteller empfiehlt Tragepausen, damit sich unter dem Armband keine Hautirritationen bilden. Es gilt: Hautgesundheit vor Gesundheitswahn.

3. Kein Zwang
Selbstoptimierung ist ein Wort, das in der letzten Zeit vor allem negativ konnotiert wurde. Zu recht, denke ich. Denn so gehyped der ganze Fitnesslifestyle auch sein mag, er ist kein Allheilmittel, kein Weg zum „optimalen Ich“. Selbstoptimierung klingt, als gäbe es ein Ziel zu erreichen. Dabei ist es beim Sport und mit der Fitness viel mehr so – und das mag abgedroschen klingen, ist aber wahr –, dass der Weg das Ziel ist.

Und der Fitnesstracker ist dabei nur ein Werkzeug, um auf dem Weg mal eine Weile unterhalten zu werden. Die aufgezeichneten Werte sind nicht das absolute Maß der Dinge, sie machen mich nicht aus. Ich bin nicht 10.000 Schritte und ich bin nicht 2.200 kcal oder 7,5 Stunden Schlaf. Ich bin einfach jemand, der Bewegung im Sport und im Alltag genießt und sich zu ein bisschen mehr davon motiviert, indem ich ab und an einen Fitnesstracker trage.

Also: Mehr Motivation dank Fitnesstracker?

Eindeutig: Ja! Gerade im Alltag beeinflusst der Tracker meine Entscheidungen, die hinterher zu Zahlen in der Auswertung führen, auf die ich stolz sein kann. Die sich richtig anfühlen und gesund.

Aber viel wichtiger als die Zahlen ist das Gefühl, das dir ein bewegter Alltag vermitteln kann: Sich fit fühlen, frei und gesund, froh, einen Körper zu haben, der dir all das ermöglicht. Vielleicht hilft dir ein Tracker, diese Möglichkeiten mehr zu schätzen, vielleicht hilft er dir auch beim Einstieg in den Sport, um vergleichbare Werte für deine Fortschritte zu erhalten, vielleicht hilft er dir, dich und deinen Körper besser kennenzulernen, indem du dir mit einem Tracker vor Augen führst, wie viel du für deinen Gesundheit tun kannst, ohne dich zum Sport quälen zu müssen (falls das auf dich zutrifft).

Wie stehst du zu dem Thema? Trägst du einen Fitnesstracker? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

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5 Antworten zu [Blogparade] Mehr Motivation dank Fitnesstracker?

  1. Pingback: Blogparade: Fitness Tracker und Sportuhren - Nützliche Gadgets oder sinnlose Teile - SportuhrenGuru

  2. Eyleen Louis schreibt:

    Liebe Julia, das ist ein ganz toller Beitrag! Den habe ich gleich mal in meinem verlinkt 😉
    Viele sportliche Grüße und immer weiter so!
    Eyleen

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  3. St._Moonlight schreibt:

    Schöner Beitrag. Danke für deine Erfahrungen.

    Gefällt 1 Person

  4. Olena schreibt:

    Ich bin da total deiner Meinung, dass der Tracker einen psychologischen Effekt hat und man sich bewusster besser entscheidet. Deswegen komibiniere ich auch den Tracker mit meiner Fitness und Ernährungs-App von epply, weil ich ehrlich gesagt nichts so oft in der Hand habe, wie mein Smartphone. Durch die zusätzlichen Push Benachrichtigungen muss ich sagen, geh ich viel regelmäßiger trainieren, auch wenn ich an dem Tag eigentlich keine Lust hatte.

    Gefällt 1 Person

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